Diversität im Kochtopf.

Kochen_by_w.r.wagner_pixelio.deSind Nu­deln chi­ne­sisch oder doch ita­lie­nisch? Stammt das Gu­lasch aus Un­garn oder der Tür­kei? Be­reits vor Jahr­tau­sen­den ha­ben sich Rei­sende, Händ­ler, For­scher und Ent­de­cker für die Ess­ge­wohn­hei­ten an­de­rer Völ­ker in­ter­es­siert und brach­ten vor­her un­be­kannte Früchte, Kräu­ter und Re­zepte von ih­ren Rei­sen mit. Das spie­gelt sich auch in den hei­mi­schen Spei­se­kar­ten wi­der: Egal ob Pizza, Murgh Korma, Su­shi, Schweins­bra­ten oder Ke­bab – die hei­mi­schen Spei­se­kar­ten sind po­ly­glott. Und die Ge­schmacks­knos­pen der Ös­ter­rei­che­rin­nen und Ös­ter­rei­cher sen­si­bi­li­siert für das „Fremde“.

Es­sen ist aber weit mehr als bloße Nah­rungs­auf­nahme oder Ge­nuss­mit­tel. Ge­rade die Ku­li­na­rik zeigt un­sere Men­ta­li­tät, un­sere Ge­wohn­hei­ten, un­sere Lei­den­schaf­ten auf uni­ver­selle ver­ständ­li­che Art und Weise. Es­sen ver­bin­det und die Kü­che ist ein wah­rer Ort der Völ­ker­ver­stän­di­gung – also ein pro­ba­ter He­bel für das ge­lun­gene Mit­ein­an­der ver­schie­dens­ter Kul­tu­ren. All das legt Zeinab So­li­man, Trai­ne­rin am BFI Wien, prä­zise, prag­ma­tisch und mit viel Ein­füh­lungs­ver­mö­gen in ih­rem in­ter­kul­tu­rel­len Koch­buch „Di­ver­si­tät im Koch­topf“ dar. Mit 49 Re­zep­ten aus al­ler Welt – von A wie Af­gha­nis­tan bis U wie Un­garn – gibt sie nicht nur ei­nen schmack­haf­ten und leicht nach­voll­zieh­ba­ren Ein­blick in die Koch­töpfe der Welt son­dern auch in die Men­ta­li­tät der je­wei­li­gen Län­der: „Es ist mit­nich­ten das erste in­ter­kul­tu­relle Koch­buch, aber wahr­schein­lich das erste, des­sen Au­to­rin­nen und Au­to­ren durch ganz un­ter­schied­li­che Um­stände aus al­len Tei­len der Erd­ku­gel in Ös­ter­reich zu­sam­men­ge­führt wur­den. Vor al­lem eins ver­bin­det sie alle mit­ein­an­der: Die Ar­beits­lo­sig­keit“, be­schreibt So­li­man die Be­son­der­hei­ten des Bu­ches, das als Er­geb­nis ei­nes Pro­jekts von und mit Ar­beits­su­chen­den in Wien in Ko­ope­ra­tion mit dem BFI Wien ent­stan­den ist.

Ei­nige Kurs­teil­neh­mer, die erst vor kur­zer Zeit nach Ös­ter­reich ge­kom­men und sich ih­rer Sprach­fä­hig­keit nicht si­cher sind, nei­gen zum Schwei­gen. Ich habe sie ani­miert ein Re­zept aus ih­rer Hei­mat in deut­scher Spra­che auf­zu­schrei­ben und der Gruppe vor­zu­stel­len“, be­schreibt die Trai­ne­rin wie das Nie­der­schrei­ben ei­nes Re­zepts die In­iti­al­zün­dung für den Sprach­er­werb sein kann.

Deutsch spre­chen und Ängste ab­bauen
Die Idee kam der ge­bür­ti­gen Ägyp­te­rin vor über 30 Jah­ren, als sie – zum ers­ten Mal im deut­schen Sprach­raum le­bend – mit Men­schen aus ver­schie­dens­ten Kul­tu­ren kon­fron­tiert war. Ge­mein­sa­mes Ko­chen half ihr einst, ihre Scheu Deutsch zu spre­chen, schnel­ler ab­zu­le­gen. Die Mahl­zei­ten mit neuen Be­kannt­schaf­ten mach­ten dem­zu­folge nicht nur Spaß, son­dern wirk­ten auch un­ter­stüt­zend beim Ab­bau von Vor­ur­tei­len und Be­rüh­rungs­ängs­ten. Ge­nau die­sel­ben Ef­fekte er­zielte das Ko­chen auch bei So­li­mans Kurs­teil­neh­me­rin­nen und Kurs­teil­neh­mern in Wien.

Die­ser Ab­bau von Ängs­ten ist na­tür­lich un­trenn­bar mit Bil­dung ver­bun­den. Und es ist ein gro­ßes An­lie­gen des BFI Wien, dass der Zu­gang zu un­se­ren An­ge­bo­ten für alle In­ter­es­sen­tin­nen und In­ter­es­sen­ten si­cher­ge­stellt ist – un­be­ein­flusst von Her­kunft, Staats­an­ge­hö­rig­keit, Re­li­gion, Vor­bil­dung, so­zia­lem Hin­ter­grund oder po­li­ti­scher Ein­stel­lung“, sagt Franz-Jo­sef Lackin­ger, Ge­schäfts­füh­rer des BFI Wien. „Ge­nauso sollte der Zu­gang zu köst­li­chen Ge­rich­ten aus der gan­zen Welt für alle si­cher­ge­stellt sein! Denn In­te­gra­tion geht auch durch den Ma­gen. Des­we­gen ist es uns eine große Freude ‚Di­ver­si­tät im Koch­topf‘ zu un­ter­stüt­zen“, so Lackin­ger wei­ter.

Das Buch diente aber nicht nur zur För­de­rung des Sprach­er­werbs son­dern kommt auch ei­nem gu­ten Zweck zu­gute. Alle Be­tei­lig­ten ar­bei­te­ten un­ent­gelt­lich an die­sem Pro­jekt und der ge­samte Er­trag vom Ver­kauf des Bu­ches geht an den Ver­ein Ute Bock.

Quelle: APA
Bild: w.r.wagner_pixelio.de

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5