Die Weinbotschaft: Weinpresse, Buchdruck, und Revolution mit Brillen

Wein im RestaurantNatürlich hört sich die Überschrift ziemlich skurril an. Was haben schon die Weinpresse, der Buchdruck und Brillen gemein? Meine lieben LeserInnen, lassen Sie sich heute ein wenig in die Geschichte der menschlichen Entwicklung entführen. Für all jene, welche mein erstes BuchWine & Culture“ gelesen haben, sei gesagt: Das werden Sie in meinem Werk nicht finden. Die Erkenntnis darüber erreichte mich erst nach Veröffentlichung.

Kommen wir nun zur Überschrift zurück. Was haben nun alte und traditionelle Weinpressen mit den oben genannten Gegebenheiten zu tun?

Sicherlich ist Ihnen bekannt, dass der Buchdruck von Johannes Gutenberg erfunden wurde. Aber es war nicht eine große Erfindung, sondern das Ergebnis vieler kleineren Entwicklungen, Erkenntnissen und Erfindungen. Weniger bekannt ist jedoch, dass Gutenberg ein großer Freund des edlen Rebensaftes war. In kleinen Mengen erzeugt er sogar selbst Wein. Damals war eine übliche Weinpresse jedoch eine sogenannte Hebelpresse. Das bedeutet: Das Traubengut wurde in einem runden Holzbehälter gegeben. Darauf legte man einen Holzdeckel, welche man mit intensiver und mühseliger Handarbeit beschwerte um das Traubenmaterial zu pressen damit der der Saft austreten konnte. Später beschwerte man diesen Holzdeckel zusätzlich mit schweren Holzbalken, oder gar mit schweren Steinen.

Johannes Gensfleisch – der eigentliche Nachname – war jedoch kein professioneller Weinbauer sondern Tüftler. Wie Sie sich nun vielleicht vorstellen können sah man ihm dies, rein körperlich, auch an. Wie für Genies der Welt gewöhnlich, war auch Gutenberg stark im Geiste, jedoch nicht körperlich. Dadurch wurde es ihm auch schnell zu mühsam. Nach längerem herumexperimentieren entwickelte er die bis heute noch bekannte Spindelpresse, bzw. Spindelkeltern. Die Funktionsweise ist einfach aber sehr effektiv. Er stellte über das Holzfass zur Pressung des Traubenmaterials ein Gestell auf. In der Mitte dieses Gestells befand sich ein runder und spiralförmiger Holzbalken in aufrechter Position, welcher mit Hilfe es Querbalkens bequem herab gedreht werden konnte. Aus physikalischer Sicht bedarf es dadurch einen deutlich geringeren Kraftaufwand um den Saft auf den Früchten zu bekommen.

Und genau diese Entwicklung ist auch wichtiger Bestandteil der ersten Buchpresse, welche von Johannes Gutenberg nur wenige Jahre später aus verschiedenen kleinen Erfindungen entwickelt wurde. Damit hat er einen der wichtigsten Grundsteine zur gesellschaftlichen Entwicklung gesetzt.

Aber was haben Brillen damit zu tun? Hier geht es jetzt weniger um die vinophile Entwicklung in 15. Jahrhundert, jedoch ist die gesellschaftliche Entwicklung enorm. Augengläser waren in der breiten Bevölkerung kaum verbreitet. Meist, wenn überhaupt, nur in der Oberschicht. Das liegt auch daran, dass in der breiten Öffentlichkeit zu dieser Zeit das Lesen per se noch nicht verbreitet war, weil es zu wenige Buchwerke gab, welche zudem auch noch relativ teuer waren. Durch den Buchdruck konnten jedoch nun Werke schnell und in großer Menge produziert werden. Durch die schnelle, und vor allem günstige Produktion fanden jetzt aber Bücher auch in der breiten Masse Anklang. Und jetzt kommt der Siegeszug der Brillen. Erst dadurch, dass die Menschen mehr begonnen haben zu lesen, ist den Leuten auch aufgefallen, dass sie eventuell schlechte Augen haben. Bei den alltäglichen Arbeiten fiel diese meist nicht auf. Jetzt steigt jedoch die Anfrage an Nasenrädern enorm. So verbreitete sich die Brille in der Bevölkerung rasant.

Nun wird es dramatisch. Dadurch das mehr gelesen wurde, weil Bücher verhältnismäßig billig, einfach und schnell veröffentlich werden können, die Menschen durch Brillen diese auch besser lesen können, auch im hohem Alter, verbreitet sich nun das, was einst nur der Kirche, hohen Geistlichen und reichen Geschäfts- und Adelsfamilien vorbehalten war. Wissen! Und genau dies konnte sich nun einfach, bequem und schnell verbreiten, und es entstand die Gesellschaft wie wir dies heute kennen. Und alles fing mit einer einfachen und kleinen Weinpresse in der Garage eines Weinliebhabers an. Vielen Dank Herr Gutenberg. Wir stoßen auf Sie an.

Text: Peter Ladinig
Bild: 123rf.com

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