Schein und Sein

Die schöne Perle, Wien

Ich bin auch ein Freund gutbürgerlicher Schmankerl. Ab und an durchsuche ich die nähere und auch weitere Umgebung um hier und da auf Ausnahmelokale zu treffen. Ich besuche oft genug auch deren Seiten im Netz, informiere mich wie denn das Selbstbild des Gastronomen wäre, auf was er Wert legt und was denn im Fokus sei. In vielen Fällen ist das schön und spannend. Zu sehen, wie das Konzept des Gastronomen wächst und sich entwickelt, wie es aufgeht, wie er daran festhält oder es verändert ist immer enorm informativ.

Und dann gibt es auch Solche wo man gut sehen kann, wie das Konzept einfach nur den Bach runter gegangen ist. Und solch ein Erlebnis hatte ich am Sonntag, in der Schönen Perle. Das Lokal liegt in Wien, im 2. Bezirk und eröffnet sich dem Besucher von außen als ein etwas alternatives aber trotzdem gutbürgerliches, offenes und gepflegtes Restaurant. Diesen Eindruck hätte ich übrigens auch nach dem Eindruck der Homepage gehabt. Leider hält dieser Eindruck nur solange, als der Gast den Eingang noch nicht durchschritten hat. Innen wendet sich das Blatt sehr schnell. Das Alternative wird zum Ungepflegten und Schmutzigen, das Gutbürgerliche gleitet schnell ab ins völlig Unhaltbare.

Nein, wir hatten nicht reserviert aber das war auch gar nicht notwendig, war das Lokal doch nur spärlich gefüllt. Die Speisekarte, die auf Anfrage nach einiger Zeit reichlich unfreundlich auf unserem Tisch landete eröffnete mir dann noch einmal die Welt des Gutbürgerlichen. Wobei – vorher musste der Tisch soweit gesäubert werden, dass die Karte dort überhaupt liegen konnte. Zumindest ohne dort für längere Zeit kleben zu bleiben. Diese Reinigung gab es aber leider nur auf Anfrage, was mir auf recht drastische Art zeigt, dass meine Sauberkeitsansprüche hier wohl zu hoch angesiedelt sind. Service, Nicht genügend, setzen.

Auf der genannten Speisekarte, fällt mein Blick auf die Tageskarte und findet dort ein Gemüsecurry das nicht als gutbürgerlich sondern exotisch angepriesen wird. Und im Grunde ist die Beschreibung mehr als berechtigt, stelle ich bald darauf fest – als ich nach einigen Bissen zum ersten Mal seit längerer Zeit das weitere Essen verweigere. Selten habe ich Reis bekommen, der so nach Einfach- Gar-Nichts geschmeckt hat. Keine feine Currynote, keine sämige Curcumawürze, keine hintergründige Schärfe. Was alleine hier zu finden ist, ist zerkochtes Gemüse, breiige Soße, die mit Curry möglicherweise die Farbe gemeinsam hat und ansonsten? Nichts. Traurig.

Was den Tag und den Eindruck eventuell retten könnte, wäre der verkostete Kaffee. Der Espresso war durchaus in der richtigen Temperatur, duftet anregend nach Kakao, feinen Röstnoten, dunkler Würze und bleibt aber am Gaumen diesen hohen Erwartungen nicht ganz gewachsen. Nichts desto trotz, ein durchaus brauchbarer Espresso, den ich auch gerne noch einmal verkosten würde. Aber bitte nicht in diesem Lokal.

Mehr Information zu Wiener Kaffee gibt es hier.

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