Die neue Lust am Essen.

Die Vielfalt. Andrea Ficala.Als ich gefragt wurde, ob ich einen Gastbeitrag für DieWeinpresse schreiben möchte, habe ich mich gefreut. Gedanklich war ich gleich einmal bei meiner Diplomarbeit. In dieser Zeit durfte ich die antioxidativen Stoffe in roten und weißen Trauben und schließlich auch im Wein untersuchen. Und das im schönen Klosterneuburg. Herrlich. Ja, als Ernährungsfachfrau rate ich zu Maß und Ziel. Ich setze mich aber auch ein für ein Leben voller Genuss mit all den wundervollen Dingen, die es uns bietet. Ein bunt gedeckter Teller. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich meine nicht die endlose Völlerei, wie sie manchmal an Feiertagen stattfinden kann, sondern ein achtsames Wertschätzen unserer Lebensmittel. Genuss und Freude am Essen und Trinken – das ist Lebensqualität pur!

Jetzt sitze ich im verregneten Wien vor meinem Text und überlege mir: Was bedeutet Qualität eigentlich für jeden einzelnen? Das Produkt muss die Erwartungen erfüllen und den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Die sensorische Qualität soll einwandfrei sein. Klar. Aber es geht noch weit darüber hinaus. Qualität ist individuell definiert. Qualität aus Österreich. Frische. Und die ewige Frage des Preises. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich jetzt aktiv mit dem Anbau von Gemüsepflanzen. Wenn man sieht, wie viel Arbeit in der Aufzucht, Pflege und Ernte dieser Pflanzen liegt, ist der Preis, den unsere Lebensmittelproduzenten dafür bekommen, kaum vorstellbar. Qualität und niedriger Preis lassen sich eben schwer vereinbaren. Für den niedrigsten Preis muss natürlich irgendwo eingespart werden.

Individuell entscheiden wir also vielleicht auch noch, ob wir sozio-ökonomisch und möglichst ressourcenschonend produzierte Produkte möchten. Ich finde es faszinierend. Da gibt es doch tatsächlich auch heute Betriebe, die händisch Unkraut jäten oder versuchen, auf schweres Gerät zu verzichten, um den Boden zu schonen und umweltverträglich zu arbeiten. Betriebe, die so gut als möglich in einer Kreislaufwirtschaft arbeiten. Naiv? Nein. Für mich ist das die Zukunft. Und es scheint zu funktionieren, die Nachfrage ist da. Mehr Klasse statt Masse als neue Art von Lebensmittelqualität. Und es ist eine wahre Freude, Produkte am Tisch zu haben, die mit so viel Achtsamkeit hergestellt worden sind.

Text: Andrea Ficala
Bild: hhoyer

 

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