Die Lust auf Sturm bricht los!

Sturm-ZeitIn den wärmsten Gebieten Österreichs hat die Sturmlese heuer etwas früher begonnen, weil der diesjährige Sommer mehr Sonnenstunden zu bieten hatte, als beispielsweise in den letzten beiden Jahren. Bereits seit dem 15. August werden im Seewinkel herrlich gesunde, reife Bouviertrauben für Traubenmost und Sturm geerntet. Daher dürfen sich die Freunde dieser traditionellen österreichischen Saisonspezialität in diesen Tagen auf ein besonders attraktives Geschmackserlebnis freuen. Nach und nach folgen dann „Stürme“ aus vielen anderen Regionen und Rebsorten bis hin zum pikanten Schilchersturm.

Gemäß Weingesetz wird in Österreich der teilweise vergorene Traubenmost  als „Sturm“ bezeichnet. Ganz gleich, welcher Farbe er ist. In anderen Regionen Europas trägt er unterschiedliche Namen, zum teil auch hinsichtlich der Farbe. In Deutschland wird zwischen Federweißem (aus weißem Traubenmost) und Federrotem (aus rotem Traubenmost) unterschieden. In Teilen Südwestdeutschlands, in fränkischen Weinbaugebieten, in der Deutschschweiz und in Südtirol heißt er Suser oder Sauser, an der Hessischen Bergstraße und inRheinhessen wird er Rauscher, in der Pfalz meist Najer Woi („neuer Wein“) oder Bitzler genannt. In Franken werden die ersten, noch süßen Gärstufen als Bremser bezeichnet. Andernorts sind Namen wie junger Wein, Riser, Krätzer, neuer Süßer, Staubiger oder Gestaubter üblich. In Italien heißt er Vino Nuovo („neuer Wein“), im französischen Sprachraum vin bourru (mürrischer Wein). In Tschechien sagt man burčák [burt͡ʃa:k] (bouře = Sturm – Analogie zu Österreich), im Luxemburgischen nennt man ihn Fiederwäissen.

Lust auf etwas Nachhilfe in Sachen Sturmknigge?

Beim Sturmtrinken hält man das Glas in der linken Hand, wie die Jäger beim „Waidmannsheil“, und man sagt auch nicht „Prost“ sondern „Mahlzeit“ – da und dort sogar „Krixikraxi“. Außerdem wird mit dem „Ungetauften“ keinesfalls angestoßen. Dieser Brauch ist einzig und allein dem fertigen Wein vorbehalten, und den gibt’s traditionell erst rund um Martini, dem 11. November. Dazwischen gönnen sich traditionelle Weinbeißer noch ein paar Glaserl vom „Staubigen“, dem fertig vergorenen, aber noch naturtrüben Wein. Aber das ist eine andere Sache. Zunächst wird jetzt einmal kräftig gestürmt. Na dann „Prost“! Pardon: „Mahlzeit“ oder gleich „Krixikraxi“!

Text: Apa(Wikipedia/Kathrin Bürger
Bild: Bitzinger

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