Die kuriosesten kulinarischen Osterbräuche

Ostern. Bild PixabayLangsam erwacht die Natur nach einem nicht allzu harten Winter wieder zu neuem Leben, die Vögel zwitschern, Pflanzen strecken ihre Knospen in die Sonne und die Temperaturen steigen. In vielen Ecken der Welt wird es Frühling und mit dem Frühling kommt Osterfest, das nach dem Glauben des Christentums den Tag der Auferstehung Jesus Christus symbolisiert. Traditionell beginnt die Osterzeit mit dem Aschermittwoch, auf den eine 40-tägige Fastenzeit folgt, in der viele Menschen auf diverse Laster, wie etwa den Genuss von Süßigkeiten, Fast Food, Alkohol, oder ähnlichem verzichten. Am Ostersonntag gipfelt die Fastenzeit, und damit auch die Osterzeit in ausgefallenen und pompösen, schlichten und ruhigen Festen und Zeremonien, bei denen weltweit die unterschiedlichsten Bräuche mit der Familie zelebriert werden. Hierzulande, im schönen Österreich, werden beispielsweise Osterschinken im Brotteig gebacken und bunt bemalte Ostereier zur Freude der Kleinen versteckt, die diese am Ostermorgen suchen dürfen. Weltweit gibt es jedoch einige mehr oder weniger skurrile Osterbräuche, die uns zum Teil kaum bekannt sind.

Osterbräuche in Europa
In Frankreich läuten am Ostersonntag zum ersten Mal seit Gründonnerstag die Glocken wieder und verkünden freudig die Auferstehung Jesus Christus. Sie verweilten in der Zwischenzeit angeblich in Rom beim Papst und sollen außerdem auf ihrem „Rückweg“ nicht nur frohe Kunde, sondern auch die Ostereier mitbringen, die von den Kindern in die Luft geworfen werden. Das erste Ei, das den Boden wieder berührt, hat verloren.

Griechische Ostereier werden traditionell rot gefärbt, da die rote Farbe das Blut Jesu symbolisiert. Neben diesem Brauch, wird hierzulande am Karfreitag auf jeglichen Genuss oder Vergnügen verzichtet. Nach diesem, somit eher kargen Freitag, wird dafür am Ostersonntag ausgiebig mit Lammfleisch am Spieß und Rotwein gefeiert. Auch einige, für uns eher ungewöhnliche, Gerichte wie das „Kokoretsi“, das aus den Innereien von Lämmern besteht, stehen dort an diesem Tag auf der Speisekarte.

In Bern in der Schweiz wird ein Brauchtum gefeiert, das auch wir in Österreich nur allzu gut kennen. Hier trifft sich alles am Ostersonntag am Altstädter Kornhausplatz zum „Eiertütscha“, einem Brauch, bei dem, wie bei uns ebenfalls am Ostermorgen unter dem Namen „Eierpecken“, zwei (gekochte) Ostereier aneinander geschlagen werden. Das Ei, das nicht zerbricht hat gewonnen, das andere darf verspeist werden. Bei einer solchen Tradition mit Suchtfaktor, sollte man also auf jeden Fall großen Guster auf hart gekochte Eier haben.

Italien hat gleich zwei Kuriositäten zu bieten. Zum Einen werden dort knallbunt verpackte, riesige, man könnte fast schon sagen „monströse“ Schokoladen-Ostereier verkauft, die nicht nur jährlich an Größe gewinnen, sondern deren Innereien mit Sicherheit für die meisten von uns auch ansprechender sind als jene der „Kokoretski“. Die Füllung der sogenannten l’Uovo di Pasqua besteht aus allen möglichen Überraschungen, wie etwa kitschigen Stofftieren. Am Ostersonntag wird hier eine traditionelle „Colomba Pasquale“, eine sogenannte Ostertaube aus Germteig gegessen. Ostermontags kommt eine etwas deftigere „Torta Rustica“, eine Art Kuchen, der mit verschiedenen Gemüsesorten oder Spinat und Eiern gefüllt wird, auf den Frühstückstisch und darf ausnahmsweise mit einem Gläschen Wermut hinuntergespült werden.

Einer der wohl skurrilsten Osterbräuche geht jährlich in Irland über die Bühne. Mancherorts finden hier am Ostersonntag symbolische Heringsbegräbnisse statt, bei denen Heringe – ja ganz genau, gemeint sind die kleinen Fische die wir meistens in Dosen kaufen – beerdigt werden. Diese Prozession soll ein Zeichen dafür sein, dass das Ende der strengen Fastenzeit endlich gekommen ist, in der Heringe einen Teil der Hauptmahlzeiten darstellen, und wieder Fleisch gegessen werden darf.

In Polen werden am Ostersamstag Körbchen gefüllt mit Ostereiern („Pisanki“), Wurst, Salz, Pfeffer, Meerrettich, Zuckerlamm, Zuckerhasen und Kuchen in der Kirche gesegnet und bezeugen so das Ende der Fastenzeit. Am Ostermontag findet das traditionelle “Smingus-Dyngus“, das gegenseitige Bespritzen mit Wasser statt, das Überlieferungen zufolge entweder an die Taufe des Prinzen Mieszko I. im Jahre 966 und somit seiner Bekehrung zum Christentum erinnern soll, oder ein Reinigungsritual heidnischer Herkunft darstellt.

Ebenfalls ein wenig an unser „Eierpecken“ erinnert ein Brauch aus Bulgarien. Hier bewirft man sich gegenseitig mit Ostereiern anstatt sie zu verstecken. Auch hier ist das letzte heile Ei der Gewinner und sein Besitzer soll im kommenden Jahr das erfolgreichste Familienmitglied werden. Andere Möglichkeiten sind etwa die Eier nach der Mitternachtsmesse an der Wand der Kirche aufzuschlagen, oder, wie bei uns, die Eier gegeneinanderzuschlagen. Zudem wird von unverheirateten Mädchen ein Osterbrot aus Eiern, Zucker und Früchten gebacken und die älteste Frau des Haushalts streicht mit rot gefärbten Eiern über das Gesicht der Kinder um ihnen Gesundheit und Stärke zu verleihen.

Osterbräuche weltweit
Wie manchen vielleicht bereits aus amerikanischen Filmen bekannt ist, findet in den USA alljährlich im Garten des Weißen Hauses das Easter Egg Roll statt. Bei dieser, bereits über 100 Jahre andauernden, Tradition werden bunte Eier mit Esslöffeln eine Wiese hinuntergerollt. Als Souvenir können die Teilnehmer und deren Angehörige danach ein, vom Präsidenten und der First Lady signiertes, Holzei erstehen.

In ganz Mexiko werden bunte Osterprozessionen zelebriert, bei denen der Leidensweg Jesu nachgespielt wird. Mit Sicherheit zur Freude aller Kleinen, darf auf, mit Süßigkeiten gefüllte, Piñatas eingeschlagen werden, bis sie ihre köstliche Füllung über die Straßen ergießen.

In Russland wird das Ende der Fastenzeit mit der sogenannten Pascha, einer Topfenspeise und einem Kuchen namens Kulitsch gefeiert.

Zu guter Letzt bringt in Australien, zum Unterschied zu den meisten anderen Ländern nicht der Osterhase am Ostersonntag die Eier, sondern ein Oster-Bilby. Das Bilby ist auch als Kaninchennasenbeutler bekannt und kann die Eier gleich praktischerweise in seinem eigenen Beutelchen transportieren. Die Erklärung für den Osterhasenersatz ist eine Kaninchenplage, mit der Australien lange Zeit zu kämpfen hatte.

Text: Marion Pertschy
Bild: Pixabay

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