Die Kunst, das Leben zu genießen.

SommerwieseIch habe eine wichtige Frage an dich: Bist du ein Genießer?
„Sicherlich“
, wirst du dir gerade denken, „ich bin hier schließlich auf einer Wein-Seite! Ich schätze hochwertiges Essen, eine nette Unterhaltung (oder auch einfach Ruhe) und dazu einen guten Wein.“ Natürlich gehört zum Genuss auch der kulinarische Aspekt, er ist ein wichtiger Bestandteil dessen. Aber eben nur einer davon. Wenn ich erzähle, dass ich einem Blog zum Thema Genuss führe, folgt direkt die Frage: „Über Essen und Trinken also?“

Wie kommt es, dass uns zu diesem Thema nur der kulinarische Genuss einfällt? Es scheint, als sei es undenkbar, dass das Leben selbst als eine genussreiche Erfahrung gedacht ist. Wenn ich dich also frage, ob du ein Genießer bist, meine ich eigentlich: Bist du ein Lebens-Genießer? Nimmst du dir jeden Tag Zeit, um deine Sinne einzusetzen, zu entspannen, Muße zu finden und einfach glücklich zu sein? Wenn du hier schon nicht mehr so sicher bist, dann sein beruhigt: Du bist nicht alleine.

Die Deutschen haben verlernt zu genießen
„Die Deutschen haben verlernt zu genießen“ – so das Fazit einer Studie des Marktforschungs- und Beratungsinstituts Rheingold. (Quelle hier) Bis zu 55 Prozent der Menschen in Deutschland sagen, dass es ihnen angesichts von Stress im Alltag und dem Gefühl ständiger Erreichbarkeit immer weniger gelingt, etwas zu genießen. Das Genuss-Defizit betrifft sämtliche Lebensbereiche: Essen, Urlaub, Wellness, Entspannung, selbst beim Sex: den Deutschen fällt es schwer, loszulassen und sich dem Müßiggang hinzugeben.

Wir erlauben uns erst dann zu genießen, nachdem wir „richtig was geschafft haben“. Ein guter Wein nach einem harten Arbeitstag, das Essen beim Italiener am Wochenende, der Urlaub nach vielen Monaten Stress und Terminen. Genuss ist immer unmittelbar an eine Bedingung geknüpft: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!
Versteh mich richtig: Ich bin stolz darauf und sehr dankbar, in Deutschland aufgewachsen zu sein. Wir leben in einem der sichersten und wohlhabendsten Länder der Welt. Unser Ruf als effektives, zuverlässiges und arbeitskräftiges Volk hat uns einen Großteil unseres aktuellen Wohlstands beschert. Doch die Uhr dreht sich immer schneller. Immer mehr Termine, ständige Erreichbarkeit, mehr Stress und ein kontinuierlich steigender Leistungsdruck.

Genießen ist lebensnotwendig
Wir arbeiten erst auf den Feierabend, dann auf das Wochenende, den nächsten Urlaub und schließlich auf die Rente hin. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: wenn ich erst etwas geleistet habe, dann darf ich mein Leben genießen! Immer unter Dauerstrom. Was dabei immer mehr verloren geht, ist der Lebensgenuss. Unter Lebensgenuss verstehe ich die Fähigkeit, Freude, Leichtigkeit, Spaß und Entspannung zu erleben. Eigentlich sind wir geborene Lebensgenießer und haben alles, was es dazu braucht, seit der Kindheit in uns verankert. Und doch verlernen wir das Genießen immer mehr.
Die Folgen sind verheerend: Im Zeitraum von 1997 bis 2012 ist eine Steigerung der Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen um 165 Prozent zu beobachten. Mit einem Anteil von 14,5 Prozent an den Fehltagen sind die psychischen Erkrankungen auf Rang zwei der wichtigsten Ursachen für Krankschreibungen gerückt.

Kurz: Millionen von Menschen sind psychisch krank und leiden an Depressionen, Burnouts und Schlafstörungen. Irgendwann ist die Seele einfach müde. Die Fähigkeit zu genießen, ist demnach kein Luxus. Sie ist lebensnotwendig! Selbst unsere Urahnen haben damals stundenlang am Feuer gesessen und sich Geschichten erzählt. Wir brauchen ganz dringend eine Gegenbewegung zur unserer müden, ausgebrannten Gesellschaft. Alles, was wir dafür brauchen, wurde uns bereits mit in die Wiege gelegt.

Wie können wir das Leben wieder mehr genießen?
Ich wünschte, ich könnte dir jetzt 10 Tipps geben, wie du für immer zum Lebensgenießer wirst. Aber das wäre fadenscheinig. Denn dem Genuss liegt eine entscheidende Sache zugrunde: es ist komplett individuell, was für dich Genuss bedeutet. Wenn du auf dieser Seite bist, dann ist wahrscheinlich dein Genussmoment ein aromatischer Wein. Nun nimm ihn mit allen Sinnen wahr: Die Farbe, das Bouquet, die feinen Aromen, der Geschmack. Wie spiegelt sich das Licht darin? Wie ist das Ambiente, während du ihn trinkst? Mit wem bist du zusammen? Ist es ein gemütliches Restaurant, dein Wohnzimmer, im Beisein deiner Freunde? Oder genießt du ihn in aller Stille bei einem guten Buch? Welche Bilder entstehen in deinem Kopf? Es geht hier nicht darum, anderen zum imponieren. Es geht darum, einen kleinen Moment intensiv auszukosten.

Aber belass es nicht nur beim Wein. Genuss lebt von Abwechslung und davon, Neues zu entdecken. Oder Altbekanntes wieder intensiv wahrzunehmen, wie mit den Augen eines neugierigen Kindes. Es kann der Duft von Blumen im Sommer sein, ein Spaziergang im Wald, die Arbeit im Garten oder das Rauschen des Meeres.
Bitte mach dir dabei keinen Druck. Erwarte nichts von dir oder dem, was Genuss bereiten soll. Denn der Feind des Genusses ist Zwang und Stress – von beidem hast du bereits genug in deinem Leben!

Die kostbaren Momente des Lebens
Was meinst du, warum wir alle den Urlaub so sehr genießen? Hier erlauben wir uns, es uns gut gehen zu lassen. Wir schwelgen, nehmen uns Zeit und erkunden Neues. Hier ist unser Geist weit offen und unsere Seele kann wieder Kraft tanken. Diese Momente müssen nicht dem Urlaub vorbehalten sein, du kannst sie auch in deinen Alltag integrieren. Genießen ist eine Lebenseinstellung. Ein Genießer feiert das Leben, den Moment, die Schönheit – ohne Zwang, ohne Erwartungshaltung. Es reicht, wenn dies jeden Tag nur ein paar Minuten sind. Aber es ist sehr wichtig, dass du dir für diese Minuten die Zeit nimmst! Am Anfang bedarf es vielleicht etwas Übung, aber es wird dir mit der Zeit leichter fallen. Das Leben ist so kostbar, so wunderschön – es wäre sehr schade, das zu vergeuden.

In Italien gibt es einen wunderschönen Ausdruck: „dolce far niente“ – was soviel bedeutet wie „Süßes Nichtstun“. Erlaub dir, mehr dieser süßen Momente zu sammeln, denn genau das ist es, was das Leben so wunderbar macht. Nicht die abgearbeiteten Emails, das Geld auf dem Konto, dein Status – sondern die vielen, kleinen, kostbaren Momente deines Lebens.

In diesem Sinne: Genieß deinen Tag!
Alles Liebe

Annika

Annika, 30, betreibt eine Seite für Lebensgenießer. Ihr Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich dazu inspirieren, das Leben wahrhaftig zu genießen und dies als Chance für ein gesundes, glückliches und erfülltes Leben zu erkennen.
www.lustundgenuss.de

One comment on “Die Kunst, das Leben zu genießen.

  1. Herzlichen Dank!

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