Die italienische Reise geht weiter … Emiglia Romana und die Marken, Teil II

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Am nächsten Tag stand ein Besuch der bestens erhaltenen Renaissance-Stadt Urbino auf dem Programm. Man schlendert durch die verwinkelten Gassen hinauf zum Herzogspalast, der die Stadt überragt, und fühlt sich einige Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückversetzt.

Bergauf gehen macht natürlich extrem hungrig. Gut, dass wir uns in einer Trüffelregion befinden. Und so hatte die Reiseleitung einen kleinen Mittagsimbiss in einem Kellerlokal arrangiert. Es kam, wie es kommen musste: der kleine Imbiss umfasste eine Reihe von Platten mit Trüffel-Bruschette, Trüffelpolenta sowie Schinken-, Wurst- und Käsespezialitäten aus der Montefeltro-Region. Aber mit genügend Wein war das schon machbar, immerhin hatten wir bereits einige Trainingstage hinter uns gebracht.

Zur Verdauung ging es dann in die Schlucht Gola del Furlo und danach zur Olivenöl- und Käseproduktion Beltrami. Wo das Ungeheuerliche geschah. Wir verzichteten auf eine Verkostung. Zum einen, weil wir noch ziemlich satt von mittags waren, zum anderen, weil im Quartier die übriggebliebenen Entengnocchi, Melone mit Schinken und Obstsalat warteten.

Sie denken, es geht nicht besser? Weit gefehlt, ein bisserl was geht immer. Am Donnerstag mussten wir früh raus, um uns um 8:00 Uhr mit einem Privatkoch zum Fischkauf am Markt von Fano zu treffen. Nach der anschließenden Führung durch die alte Römerstadt Fano erreichten wir einen Landsitz auf den Klippen hoch über der Adria. Die Villa gehört einer Witwe, die diese für Events vermietet. Das Event waren in diesem Fall wir vier Urlauber sowie unsere Reiseleiterin, umsorgt vom Koch und einem persönlichen Butler. Sonst niemand. Sehr edel, sehr cool, sehr dekadent. Und dann gab es noch Frankie, einen 6 Monate alten Jack-Russell-Terrier. Den haben wir aber nicht verspeist. Wir hielten uns lieber an Bruschette mit Sardellen, Paradeiser und Basilikum sowie mit weißem Trüffel, gefolgt von Käsekroketten als Vorspeise. Und als Höhepunkt des Mahles ein Brodetto, ein regionaler Fisch- und Meeresfrüchteeintopf. Dann halt noch ein kleines Zitronen-Wodkasorbet zum Drüberstreuen. Es ist erstaunlich, was der Mensch alles essen kann. Vorausgesetzt es steht genügend Wein als Schmiermittel zur Verfügung.

Für den Rest des Tages war Faulenzen und Fasten angesagt. Zu mindestens beinahe, den wir hatten uns in der Früh am Markt von Fano vorsorglich mit kalten Spezereien für einen Abendimbiss eingedeckt.

Unser Urlaub näherte sich nun langsam dem Ende, zwei Tage in Bologna bildeten einen würdigen Abschnitt. Bologna ist schon etwas besonders: La Dotta, die Gelehrte, weil Universitätsstadt. La Rossa, die Rote, weil über Jahrzehnte von den Kommunisten regiert. Und La Grassa, die Fette, weil ein kulinarisches Eldorado. Womit wir wieder beim Thema wären. Sehr zu empfehlen ist die Trattoria Battibeco, nur ein paar Meter vom Piazza Maggiore entfernt. Kreativküche meets La Mamma. Wir schmausten beispielsweise knusprig gebackenes Ei mit Parmesansauce und grünem Spargel oder Scampi und Octopus mit Tinten-Mayonaisse und Salat.

Als würdigen Abschluss hatte unser Reisebüro am letzten Abend eine Beisltour arrangiert. Unter kundiger Führung wurden wir (bei gut 30 Grad im Schatten) von einer vornehmen Enoteca zu einem urigen Beisl und letztlich in ein Kellerlokal geschleppt. Überall gab es reichlich Weine zu verkosten und natürlich wieder jede Menge Leckereien aus der kalten und warmen Küche.

Der Urlaub ist jetzt auch schon wieder mehr als zwei Wochen her. In Erinnerung wird er uns sicher noch viel länger bleiben. Vor allem, wenn ich in den Spiegel schaue.

Text: Michael Binder
Bild: Oliver Weber/ pixelio.de

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