Die Gärten im Kamptal. Eine Auslese

Schlosshimmel - Foto Haydn und BaumannAuch wenn man bei dem Stichwort Kamptal immer zuerst an Wein und Winzer denkt, so gibt es ebenso Entdeckungen ganz anderer Art in diesem Gebiet zu machen. Lassen Sie sich von der Vielfalt der Gärten überraschen! Ob weitläufige Parkanlagen, romantische Klostergärten, üppige Gemüsegärten oder ideenreiche Schaugärten – hier findet sich für jeden Geschmack etwas.

In Grafenegg wartet ein eindrucksvoller englischer Schlossgarten auf einen Erkundungsgang. Auf 32 Hektar kann der Besucher Historisches, Botanisches und ganz Modernes in einem beeindruckenden Ensemble entdecken. 300 Jahre Parkgeschichte, seltene Pflanzen aus aller Welt, alte Baumsolitäre und zeitgenössische Kunstwerke bieten eine Vielfalt, die zum Verweilen einlädt. Doch nicht nur zum Beschauen, sondern auch zum haptischen, tatsächlichen Vergnügen wird eingeladen: In diesem wundervollen Rahmen können Feste im Grünen, ein Picknick im Schlosspark, ein Empfang auf der großen Schlosswiese oder eine Einladung im Gartenpavillon geplant werden. Das Moderne des Parks zeigt sich vor allem in der 2007 gegründeten Anlage für das Grafenegg Festival: Der Konzertsaal Auditorium und die Open Air-Bühne Wolkenturm setzen architektonische Blickpunkte. Auch eine neue Tradition wurde seitdem ins Leben gerufen: Seit 2007 pflanzt jeder Composer in Residence des Grafenegg Festivals einen Baum im Schlosspark.

In einem ganz anderen Kontext entstanden die Gärten des Klosters Stift Altenburg. Die Gartenanlagen wurden von den Benediktinermönchen selbst geplant und mit tatkräftiger Unterstützung der Aktion „Natur im Garten“ und Gartenbaubetrieben aus der Region umgesetzt und gestaltet. Drei Gartenflächen wurden mit mordendem Blick und altem, mittelalterlichem Wissen (neu) geplant und interpretiert. Der Apothekergarten findet sich auf der Ostseite der Klosteranlage, dort, wo sich vermutlich schon im Mittelalter ein Kräutergarten für die Versorgung der Krankenstation befunden hat. Unterdessen wurde das Thema neu interpretiert und der „hortulus“ des Walahfrid Strabo in eine zeitgemäße Form gebracht. Der Kreuzganggarten schmückt die Mitte des Kreuzganges im „Kloster unter dem Kloster“. Hier sind mittelalterliche Symbolpflanzen zu finden. Der Schöpfungsgarten im Süden der Stiftskirche entstand an Stelle des ehemaligen „Brunngartls“. Hier wurde mit der Planung erstmals ein theologisches Thema – die Schöpfungsgeschichte – mit Hilfe von Wegeführungen, Bepflanzungen und gartengestalterischen Elementen umgesetzt. Die Sitzbank unter dem großen Nussbaum lädt zum Innehalten ein, an einem heißen Sommertag einer der schönsten Plätze im ganzen Stift.

In Maissau findet man ebenfalls einen Kräutergarten. 1994 im Rahmen einer Privatinitiative angelegt , finden sich hier circa 200 verschiedene Kräuter. Besonderes Augenmerk wird auf die Heilkräuter gelegt, es gibt aber auch zahlreiche Duft- u. Gewürzkräuter. Mittels Führungen kann man sich auch hier wieder altes Wissen erarbeiten und Anwendungen erproben.

Für die Kittenberger Erlebnisgärten wurden 1,5 Hektar Land in 40 Themengärten verwandelt. Seit über 30 Jahren plant und gestaltet Reinhard Kittenberger mit seinem Team „Gärten zum Erleben“. Vom Schwimmteich über den Familiengarten, bis hin zum modernen Designergarten werden Gartenträume verwirklicht und in Schaugärten visuell erlebbar gemacht. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, einen Garten anzulegen, der sollte sich sich in den Erlebnisgärten einige Anregungen und Inspirationen holen.

Einen ganz anderen Zugang wiederum hat der Verein ARCHE NOAH in Schiltern. Dort wird unter dem Motto agiert: „Für Saatgutrechte arbeiten und Vielfalt feiern“. Bereits 1989 entstand der Verein auf Initiative von GärtnerInnen, BäuerInnen und JournalistInnen, die das Saatgut als Grundlage der Ernährung buchstäblich wieder in die eigenen Hände nehmen wollten, denn die Vielfalt unserer Kulturpflanzen ist durch die Industrialisierung der Landwirtschaft weltweit dramatisch zurückgegangen und wird heute durch Gentechnik, Saatgut-Monopole, Klimawandel und Kriege gefährdet. Demzufolge bewahrt und pflegt Arche Noah tausende gefährdete Gemüse-, Obst- und Getreidesorten. Im Schaugarten kann man eine große Vielfalt von Kulturpflanzen (neu) entdecken und, um selbst anzubauen und zu kultivieren, können Jungpflanzen, Bio-Saatgut und andere Produkte der Bio-Partnerbetriebe im angrenzenden Shop bezogen werden.

Nach all den Erkundungen und Spaziergängen kann man selbstverständlich in einen Heurigen einkehren und sich bei einem Achterl, selbredend Kamptaler Ursprungs, auf eine andere Art und Weise erholen.

Text: Kathrin Bürger
Bild: Haiden und Baumann

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