Die Bierecke: Sortenreich, stark und belgisch.

Belgisches BierNur wenige Länder bieten eine derartig umfangreiche bierige Sortenvielfalt wie Belgien. Neben eigenen Stilen werden auch die einiger  anderer Länder gebraut und es hat sich auch so mancher Stil erhalten, desses Ursprung bis in das Mittelalter zurückgeht. Dass die Biere einen überdurchschnittlich hohen Alkoholgehalt haben liegt am „Vandervelde-Gesetz“ von 1919; es verbot bis 1983 den Verkauf von Spirituosen in Bars und regte damit die Nachfrage nach Bieren mit höherem Alkoholgehalt an, die auch bis heute anhält.

Nicht alle Bezeichnungen entsprechen auch Bierstilen. Der Begriff Trappistenbier beispielsweise  bezeichnet eher einen Überbegriff. Voraussetzung ein echter Trappist zu sein, wäre, das Bier muss unter Aufsicht von Trappistenmönchen in der Brauerei eines Trappistenklosters gebraut werden und die Einnahmen müssen vollständig wohltätigen Zwecken zugeführt werden. Derzeit erfüllen nur acht Klöster diese Voraussetzungen. Davon befinden sich sechs in Belgien und eines in den Niederlanden, allerdings erfüllt auch das Stift Engelszell in Oberösterreich seit 2012 diese Kriterien. Die beiden Biere, Gregorius und Benno sind nach früheren Äbten des Klosters benannt und entsprechen den klassischen belgischen Bierstilen Dubbel und Tripel.

Eine weitere belgische Eigenheit sind Lambic Biere, zu denen auch das Geuze zählt. Dieser Bierstil aus dem Mittelalter wird noch heute spontan vergoren. Zu seiner Entstehungszeit war die Hefe noch nicht bekannt, was heißt, man vertraute den wilden Hefen, die sich in jedem Raum, ja sogar in der Luft, befinden. die Mischung aus ober- und untergärigen Hefen stimmt, sollte die Würze eine Temperatur von etwa 15 Grad haben. Auch werden Lambics manchmal vor der Nachgärung mit Fruchtkonzentraten versetzt. Im Gegensatz zum Radler, der nach abgeschlossener Gärung mit Fruchtsäften vermischt wird, sind Fruchtlambis weniger süß, haben aber auch einen höheren Alkoholgehalt. Beim Faro werden verschiedene Lambics verschnitten und neben Gewürzen wie Pfeffer, Orangenschalen und Koriander wird auch für die Flaschengärung Kandiszucker zugesetzt.

Wittbier ist dem klassischen bayrischen Hefe-Weizen Bieren sehr ähnlich. Es wird aber häufig mit Koriander und Orangenschalen gewürzt, woran zu sehen ist, dass in Belgien kein Wert auf das Reinheitsgebot legt wird: Erlaubt ist was schmeckt. Durch großzügige Beigabe von Gewürzen, Kräutern und Früchten entsteht ein sehr großes Geschmacksspektrum, dass weltweit ungeschlagen ist und viele begeisterte Nachahmer findet.

Dubbel, farblich blond bis dunkelbraun, ist eine mildgehopfte Starkbierspezialität mit ausgeprägter Alkoholaromatik. Speisen wie würzige Braten, Saucen- und Pilzgerichte, Wild und Wildgeflügel aber auch milder Käse und Süßspeisen wie Creme Caramel und Panna Cotta passen ausgezeichnet zu diesem Bier.
Das Tripel ist eine bernsteinfarbene, wenig bittere Starkbierspezialität mit starker Alkoholaromatik. Dieses Bier ergänzt sich geschmacklich perfekt mit würzige Braten, Spargel, Steaks, Wildgeflügel oder würzigem Käse. Torten passen ebenso wie Kuchen, Schokoladen- und Mandeldesserts.
Geuze Bier, wie oben beschrieben ist dieses Bier eine mittelalterliche Bierspezialität mit intensiver Säurenote, die wunderbar zu einem großen Spektrum an Gerichten von mild gewürzten Salaten mit Balsamico bis hin zu Ente süß-sauer oder auch zu Blauschimmelkäse und fruchtigen Desserts passt.
Lambic. Geschmacklich ist es sehr breitgefächert, von säuerlich über fruchtig bis würzig. Dazu eine, für den gesamten Bierstil gültige Speiseempfehlung, zu geben, ist nicht möglich.

Abschließend bleibt nur noch zu ergänzen, wo denn diese Biere zu verkosten sind. In Wien finden Sie vieles im Känguruh, alternativ dazu bietet sich ein Lokal in Salzburg an: Das Alchimiste, in der Bergstrasse. Hingehen, testen, probieren, darüber reden, die Vielfalt schmecken.

Text: Karin Vouk
Bild: Vouk

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5