Die Bierecke: Josephs neuer Biergenuss und mehr

Joseph-Brot und BierDiese Woche eröffnete Josephbrot seine neue Filiale im 3. Wiener Gemeindebezirk. Doch was hatte ich als Biersommeliere dort verloren? Wie eng Brot und Bier verbunden sind und wie es zu Josephs „Sauerhopfenbrot“ gekommen ist, wurde schon im Artikel „Heute back ich, morgen brau‘ ich“ beschrieben. Bei dem neuen Standort handelt es sich um mehr als nur um eine Bäckerei, denn sie ist auch Patisserie und Bistro. Dabei denkt man aber noch immer nicht an Bier. Im Eröffnungsstress, den neue Lokale bedeuten, wird beim Bier meist der Weg des geringsten Widerstandes eingeschlagen, was zu altbekannten Bieren auf der Getränkekarte führt. Viel zu selten wird überlegt, welche Biere am besten zu den angebotenen Gerichten passen.

In diesem Fall war es jedoch erfreulich anders. Josephbrot-Gründer Josef Weghaupt begann schon vor Monaten, mit der Privatbrauerei Dangl aus Zettenreith an den perfekten Bieren für seine Speisen zu feilen. Ergebnisse sind ein Burgenländisches Märzen und ein Waldviertler Dunkles. Die Namen an sich klingen nicht grade aufregend, die Biere dahinter entpuppen sich aber als sehr gelungene Begleiter zum Speisenangebot.

Burgenländisches Märzen: Bernsteinfarben, leichter Geruch von Brot, sehr süffig durch fast fehlende Rezens. Kräftiger, malzbetonten Köper mit milden Hopfenaromen im Abgang. Durch das Brotaroma passt dieses Bier zu allen nicht süßen Speisen, bei welchen, wie es sich für eine Bäckerei gehört, immer das Thema Brot mitspielt.
Waldviertler Dunkles: Fast schwarz, duftet es durch die verwendeten Röstmalze nach schwarzem Kaffee, wenig Rezens, die dezente Restsüße ist perfekt mit der Hopfenbittere ausbalanciert. Dieses Bier passt zu Süßspeisen, zu denen man auch Kaffee trinkt. Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Dieses Bier kann man im Sommer mit einer Kugel Vanilleeis wie Eiskaffee genießen.

Mein Fokus liegt hier auf den Bieren, doch soll auch die reiche Auswahl an anderen Getränken wie Kaffee, Tee, Fruchtsäften und Wein erwähnt werden. Die Speisen sind, wie man es vom Brot bei Joseph gewöhnt ist, kreativ und doch bodenständig. Sie überraschen durch ungewöhnliche Kombinationen aus fast in Vergessenheit geratenen regionalen Zutaten. Die hohen, hellen Altbauräume und das schlichte Design, welches neben viel Holz mit gestrichenen Waschbetontischplatten besticht, lassen jede Speise noch besser zur Geltung kommen.

Ein neuer Ort, an dem der Gaumen verwöhnt wird, egal ob es sich um Frühstück, Mittagessen, Abendessen oder einen Snack für zwischendurch handelt. Wert für mehr als nur einen Besuch.

Text: Ka­rin Vouk
Bild: Vouk

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