Die Bierecke: Ist IPA tot?

Ist IPA tot? Und was kommt dann?India Pale Ale. Ist es tot? In einer Zeit, in der fast jede Klein- und manche Großbrauerei ein hopfengestopftes Wunderkind im Portfolio hat, fragt man sich was das nächste „must have“ wird. Und so habe ich diese Frage verschiedenen Kollegen der Branche gestellt. Nach diesen Gesprächen habe ich folgendes festgestellt: sicher ist nur, dass sich viel in der Branche tut und mehrere Trends gleichzeitig in Bewegung sind. Was genau diese Trends sind, darüber lässt sich allerdings streiten.

Robert Neumaier, Küchenchef und Brauer aus Leidenschaft bei GenussPur in Neu-Ulm, Deutschland meint dazu: „Das IPA war ein Startschuss für viele Craft-Bier-Brauer um auf sich aufmerksam zu machen. Man konnte ’neue‘ Biere brauen und endlich offensiv mit den neuesten Hopfensorten experimentieren. Aus meiner Sicht haben aber leider nicht sehr viele IPAs den Namen verdient, da sie einfach keine IPAs im klassischen Sinne sind. Ich denke, wir als Brauer aus Leidenschaft, sollten weniger an einen Bierstil gebunden sein müssen, da so viele tolle Biere keinem definierten Bierstil zuzuordnen sind. Wir müssen zukünftig noch mutiger sein und jedes Bier mit eigenem Namen, Zutaten und Zubereitung zu einem Unikat mit seiner eigenen Geschichte machen. Wenn IPA drin ist, wo IPA drauf steht, wird es als eines der vielen ’neuen‘ Biere überleben.“

Reinhold Barta, Braumeister des Brauhaus Gusswerk meint dazu: „IPA ist auf keinen Fall tot. Ganz im Gegenteil. Dieser Bierstil ist bei einem Großteil der Konsumenten noch nicht einmal angekommen, somit hat IPA noch ein langes Leben vor sich. Der Trend zu leichteren Ale-Bieren – auch bei großen Brauhäusern – zeigt ebenfalls eine Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Bierstilen. Das Interesse an dunklen Bieren mit Röstaromen nimmt ebenfalls stark zu.“

Die Brauer bei Bierol, Christoph Bichler und Maximilian Karner antworteten auf meine Frage so: „Wir glauben, dass der Trend zum IPA bei uns noch einige Zeit andauern wird. Warum? Weil das IPA für den gemeinen Gaumen immer noch das abstrakteste Craft-Beer ist. Außerdem sind die IPAs, die im deutschsprachigen Raum gebraut werden, immer noch harmlos im Gegensatz zu den Britischen oder Amerikanischen. Solch richtige IPAs werden bei uns bestimmt noch eine Zeit dauern. Und wenn es dann soweit ist und das IPA wirklich dead ist, wird unserer Meinung nach etwas schwarzes, obergäriges, sprich Stout oder Porter, kommen.”

Der Braumeister der Mohrenbrauerei Michael David ist 100%ig davon überzeugt, dass „holzgereifte Biere stark im kommen sind.“ Tatsächlich findet der Konsument in Österreich mit wenig Mühe eine beachtliche Auswahl an solchen Bieren von kleinen Brauereien, wie beispielsweise das Bonifatius-Barrique der Handbrauerei Forstner, oder um auch ein Bier einer großen Brauerei zu nennen, das Blend No.4 von Trumer.

Hinrich Hommel, Braumeister der Brauerei Egg meint ebenfalls, holzgereifte Biere würden an Beliebtheit zunehmen, sieht dies aber nur als einen der aktuellen Trends. „Man wird sich außerdem auf alt hergebrachte Brautraditionen stürzen wie z.B das Dreimaischverfahren oder die offene Gärung. Ebenfalls werden Hafer-, Emmerbiere und Biere mit Kräutern folgen.“

Stefan Katzengruber, der die Leitung „Verkauf Gastronomie“ bei den Vereinten Kärntner Brauereien inne hat, denkt „auch Tradition ist in der Braukultur extrem wichtig. Es geht wieder „back-to-the-roots“ zu trübem Bier mit wenig Kohlensäure, wie einem ungefilterten Lager. Wenn es um kreative Biere geht, liegen leichte, gut trinkbare Ales mit wenig Alkohol im Trend.“

Bei einer Sache sind sich aber alle einig: Egal ob holzgereift oder leichtes Ale. Die Biere werden künftig immer öfter in 750ml oder sogar 1 Liter Flaschen abgefüllt. Diese größere Flasche trägt dann meist ein geschmücktes Etikett und eignet sich perfekt als Mitbringsel für eine abendliche Einladung. Außerdem bringt sie doch eine gewisse Geselligkeit an den Tisch und macht jede Runde etwas intimer. Ein gutes Bier nimmt immer öfter – und meiner Meinung nach auch berechtigt – seinen Platz an einem feinen Tisch neben einer guten Flasche Wein ein.

Text: Tiffany Heiner
Bild: Barrelfever

 

 

 

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