Die Bierecke. Da laust mich doch der Affe, was für ein Auflauf

Bier in ÖsterreichBrew Age. Handwerk für frischen Genuss
Pale Ale (PA)* und Indian Pale Ale (IPA)* erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Ähnlich dem Sprichwort, in dem die Schwamerl so sehr aus dem Boden schießen, tauchen diese beiden Craftbeer -Typen immer häufiger auch in den Regalen der Einzelhändler und Supermärkte auf.
Auch wenn einige ungläubige Hardliner noch immer felsenfest davon überzeugt sind, Bier sei ein Getränk der sozialen Unterschichten, beweisen Menschen mit Sinn für Genuss bereits seit geraumer Zeit das Gegenteil. Durch die freundliche Unterstützung kreativer Bierbrauer werden unsere Sinne mit neuen Aromen und Geschmacksrichtungen verwöhnt, die genau genommen aber alles andere als neu sind (siehe meine Kurzweisheit, mit * gekennzeichnet, am Ende des Artikels).Sollen sich doch besagte Ungläubige vom Affen lausen lassen, wir Genussmenschen, lassen uns lieber von Hannes Kuglers – seines Zeichens Brew Age Braumeister und Ritter des Affenkönigs – Bierkreationen verwöhnen und steigen gleich mal mit einem Auflauf ein.

Der Brew Age – Hopfenauflauf  (Pale Ale)
Ein witzig gestaltetes, aber durchaus gediegenes Etikett, verleitet zum Griff ins Regal und könnte es sprechen hieße es, „Überleg nicht lang, nimm mich, probier mich!“.´Ein erfundener, aber sehr bekannter Bierfreund würde jetzt sagen, „Pale Ale, hä, was? Obergärig, eh klar“. Aber es gibt noch ein paar interessante Details, mit denen sich der Herr wohl nicht so recht anfreunden könnte.

Der Hopfenauflauf ist sozusagen die österreichische Interpretation eines American Pale Ale. Ale-Hefe, Aromahopfen wie Chinook, Citra, Centennial und Malzsorten wie Pilsner und Karamell kommen dabei zum Einsatz. Sogar hopfeng’stopft ist er, der Auflauf. Damit ist nichts anderes gemeint, als die Anreicherung des fertig vergorenen Biers mit Aromahopfen.´Auf die Frage, wie dieses Bier schmeckt, gäbe es eine sehr einfache und auch passende Antwort, „Supergut!“
Selbstverständlich geht’s auch noch etwas genauer, das hat er sich auch verdient, der Hopfenauflauf. Eh klar!
Ein Fest für Augen und Nase
Beim Einschenken wird bernsteinfarbiges Bier mit schimmernden Kupferreflexen von ziemlich kompakt wirkendem Schaum gekrönt. Bereits jetzt werden würzig exotische Düfte wahrgenommen. In der Nase entfalten sich Aromen von Mangos, Papayas, Pomelos und ein Hauch von Kumquats mit etwas Carambole, eingehüllt in kräuterwürzige Noten mit Anklängen von Rosmarin. Dieser Aromagarten, fein verwoben mit dezent bitteren Karamellnoten, strahlt Frische mit gutem Trinkfluss aus.Gaumenfreuden mit Wiederholungspotential
Am Gaumen zeigt sich der Hopfenauflauf gut strukturiert und harmonisch, mit passender Würze. Ausladend und schlank zugleich, gestaltet sich der Abgang. Guter Trinkfluss mit Charme und Elegance, diesen erfreulichen Eindruck hinterlässt der gar nicht so leise Nachklang, der  sofort den nächsten Schluck einfordert.

Keine Frage der Ehre, ein Frage des Geschmacks
Mit 5,4% vol. Alkoholgehalt gehört dieses Pale Ale zwar nicht zu den absoluten Leichtgewichten, ist aber auch nicht überpowert und darf daher auch mal die Funktion eines g’schmackigen Durstlöschers übernehmen und bei dieser Gelegenheit kann auch direkt aus der Flasche getrunken werden. Im Allgemeinen fühlt sich der Hopfenauflauf aber im Craftbeer Glas wesentlich wohler, weil er sich da von seiner allerbesten Seite zeigen darf!

Fazit: „Back to the roots“ – mit Handwerkskunst, Liebe zum Beruf, einem ausgewogenen Verhältnis von Kreativität und Tradition – so funktioniert der sprichwörtliche Schritt nach vorne. Johannes Kugler beweist mit seiner Interpretation eines Pale Ale, dass er es versteht alle Komponenten in Einklang zu bringen. Dieser bereits erwähnte, erfundene aber bestens bekannte Bierfreund, würde jetzt wohl meinen, „Dem Kugler sei Pale Ale is ned deppat“! Und die Geschichte gibt’s bei Gourmetspar und Interspar.

Übrigens, dem Affenkönig wird von seinem Ritter selbstverständlich auch entsprechend gehuldigt, mit einem Imperial Indian Pale Ale aber das ist eine andere Geschichte …

* Die versprochene, abschließende Kurzweisheit kommt noch hier:

Der Unterschied von Pale Ale (PA) und Indian Pale Ale (IPA)
Bereits mehrmals darauf angesprochen, komme ich dem Wunsch eine kurze Erklärung abzugeben, gerne nach. Der Begriff Pale Ale tauchte, einigen Quellen zu Folge, bereits Anfang des 17. Jahrhunderts erstmals auf, andere wiederum sprechen von 1880, wo erstmals Pale Ale gebraut wurde. In jedem Fall wurden diese Biere mit hellerem Malz hergestellt und waren daher auch blass (pale). Hopfig, florale Aromen sind das Hauptmerkmal eines PA und auch die merklich höhere Bittere- verglichen mit herkömmlichen Bieren – ist typisch.

Erst etwas später entwickelte sich das Indian Pale Ale, genau genommen aufgrund einer Notlage. Längere Haltbarkeit war gefragt. Bier musste die Überfahrt von England nach Indischen in die Kolonien überstehen. Um die Haltbarkeit zu verlängern war ein höherer Alkohol- und Hopfengehalt notwendig. In Indien angekommen, wurde das Bier 1:1 mit Wasser verdünnt, um wieder gewohntes Bier zu erhalten. Beim IPA ist quasi alles stärker ausgeprägt und um diese Eigenschaften zu erhalten, wird es heute nicht mehr verdünnt. Der Alkoholgehalt bewegt sich durchschnittlich im Bereich von 4,6% vol. bis 7,8% vol. Die Bittere (IBU-Werte) bewegen sich zwischen 40 bis 60. Im Hardcore Bereich kann es ein IPA aber auch auf bis zu 100 IBU bringen.
Wird mit ungewöhnlich viel Hopfen gebraut, dann spricht man von einem Imperial Indian Pale Ale.Aber es gibt auch Light Versionen, die meistens Session Indian Pale Ale genannt werden, durchschnittlich unter 5% vol. Alkohol, 35 bis 40 IBU und eine Stammwürze im Bereich von 10° haben.

Ein Pale Ale hat ein etwas leichteres Hopfenprofil, ist also weniger stark gehopft und manche PA werden auch nicht kaltgehopft. Es werden auch weniger stark geröstete Malze verwendet und Karamellmalze kommen ebenfalls seltener zum Einsatz. Allgemein ist die Farbe eines PA etwas weniger kräftig und auch der Schaum ist wegen des geringeren Verzuckerungsgrades etwas instabiler. Die Balance zwischen Hopfen und Malz ist ebenfalls ein wenig moderater gestaltet. Meistens ist auch der Stammwürzegehalt etwas geringer und so auch der Alkoholgehalt, der sich zwischen 3,7% vol. und 6,3% vol. bewegt. Geringere Hopfung, geringerer Alkoholgehalt bedeuten auch geringere Bittere (durchschnittliche IBU-Werte im Bereich von 50 bis 60). Aufgrund seiner Gesamtstilistik ist ein Pale Ale nicht so intensiv und vollmundig wie ein IPA.

Text: Andy Bigler
Bild 123rf.com

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