Die bebenden Freuden des Erwachens.

Tomatensuppe, GazpachoWas erfreut uns in der bisweilen sehr ungemütlichen kalten Winterzeit besonders? Ist es ein Becher mit warmen Tee oder eine Kerze, die wir anzünden und die uns mit ihrem Licht allein wärmt? Oder ist es das heimelige Gefühl, wenn wir mit noch kalten Händen eine mit deftigem Eintopf gefüllte heiße Schale umfassen? Langsam schleicht sich die Wärme der Schale in die ausgekühlten Finger; der erste Löffel beschert eine wohlige Gänsehaut, die den ganzen Körper erfasst und schließlich – zur Krönung, macht sich die Wärme in allen Gliedmaßen breit und lässt uns annehmen, es gäbe nichts Schöneres als diesen Moment. Gibt es auch nicht. Besonders, wenn der Eintopf oder die Suppe nicht nur wärmt, sondern auch noch schmackhaft ist. Feinschmecker aber brauchen weit mehr als nur eine empfindliche Zunge oder eine feine Nase, sie brauchen Bilder der Speisen, Formen, Farben – inspirierend wie bei Emile Zola, der in „Der Bauch von Paris“ dem guten Gemüse ein Denkmal setzte. Kleine Kostprobe gefällig?

„Salat, Endivie, Lattich, Schikoree zeigten, noch von der fetten Gartenerde bedeckt, ihre strahlenden Herzen; die Spinat- und Ampferpacken, die Artischockensträuße, die Bohnen- und Erbsenhaufen, die Stapel von mit Strohhalmen zusammengebundenem römischen Salat sangen die ganze Tonleiter des Grüns vom Lackgrün der Schoten bis zum derben Grün der Blätter, eine anhaltende Tonleiter , die erst bei den Flecken der Selleriestengel und den Porreebunden erstarb. Aber die gellendsten Töne, die am lautesten erklangen, waren noch immer die lebhaften Flecke der Möhren und die reinen Flecke der Kohlrüben, die in ungeheurer Menge über den ganzen Markt verstreut waren und ihn mit der grellen Zusammenstellung ihrer beiden Farben erhellten. An der Kreuzung der Rue des Halles türmte sich der Kohl zu Bergen: riesige Köpfe Weißkohl, fest und hart wie Kugeln aus bleichem Metall, Wirsingkohl, dessen große Blätter falschen Bronzebecken ähnelten, Rotkohl, den die Morgenröte in herrliche weinrote Blütenpracht mit Karmin und dunkelpurpur Druckstellen verwandelte. Am anderen Ende, an der Kreuzung Saint-Eustache, war der Zugang zur Rue Rambouteau durch eine Barrikade von orangefarbenen Kürbissen versperrt, die sich in zwei Reihen zur Schau stellten und ihre Bäuche vorstreckten. Und hier und da entflammten der Goldkäferlack eines Korbes Zwiebeln, das blutige Rot eines Haufens Tomaten, das verwischte Gelb einer Ladung Gurken, das dunkle Violett einer Traube Eierfrüchte, während große, zu Trauertüchern nebeneinander gelegte Schwarzrettiche Löcher von Finsternis inmitten der bebenden Freuden des Erwachens übrigließen.“

Dem lässt sich beinahe nichts hinzufügen. Beinahe – denn was Zola nicht hat, haben wir. Ein Rezept einer italienischen Minestrone, die einer großen Auswahl Gemüsesorten eine Herberge bietet.

Zutaten:
3 Knoblauchzehen
3 große Zwiebeln
2 Stangen Staudensellerie
2 große Karotten
2 große Erdäpfel
100g grüne Bohnen
100 g Zucchini
100 g gehackte Tomaten
60g Butter
50 g Olivenöl
60 g durchwachsenener, klein gewürfelter Speck
1,2 l Gemüsebrühe 2 EL Tomatenmark
1 Bund Basilikum
Salz & Pfeffer
100 g Parmesanrinde
85 g zerkleinerte Spaghetti

Das rohe Gemüse klein schneiden. Butter und Öl in einem großen Topf erhitzen und den Speck zwei Minuten anbraten. Knoblauch und Zwiebeln zugeben, zwei Minuten braten, dann Sellerie, Karotten und Erdäpfel unterrühren und weitere zwei Minuten braten. Die Bohnen in den Topf geben und ebenfalls zwei Minuten braten. Die Zucchini einrühren und wiederum zwei Minuten braten. Den Deckel auflegen und dem Gemüse Zeit zum Kennenlernen geben; unter gelegentlichem Rühren 15 Minuten garen. Brühe, Tomaten, Tomatenmark, Basilikum und Käserinde dazugeben und abschmecken. Aufkochen, die Temperatur reduzieren und 1Stunde leise köcheln. Die Käserinde entfernen, dafür aber die kleinen Spaghetti in den Topf geben und zehn Minuten kochen. Schließlich mit frischem Parmesan beim Servieren bestreuen.

Winter, verweile doch!

Text: Kathrin Bürger
Bild:Fotolia/ Grahammer

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