Die alten Herren müssen sterben

Unter diesem farbigen Titel stand die Verkostung der älteren Herren des Weinpresse-Kellers. Ich werde hier nur die Zusammenfassung wiedergeben, denn die Details möchte ich schon aus Rücksicht auf die Protagonisten, die ihre Spucknäpfe nicht benutzt hatten, nicht preisgeben.

WeinverkostungWir trafen uns an einem Abend im Frühjahr 2012 um die Lebensdauer der alten Herren zu testen und einmal zu sehen, wie genau sie reifen und sich verändern. Eine ausgesprochen interessante Sache, das war von vornherein klar und die Schwelle lag wohl entsprechend hoch – die Spannung lag somit zum Greifen in der Luft. Ab 19:00 Uhr trafen langsam die Testverkoster bei mir ein, selber wohl schon gespannt, was der Abend zeigen würde und ob das eine oder andere „Schmankerl“ dabei wäre. Wir hatten uns entschieden nur eine kleine Verkostungsreihe anzugehen, ursprünglich mit 6 Verkostern und 10 Weinen, letztendlich aber nur mit 4 Personen und auch entsprechend weniger Probanden.

 

Muskateller Sekt, 2009, Steininger

Ich bin ein grosser Fan der Vorgehensweise, als Starter einer Verkostung einen Sekt zu haben. In den meisten Fällen dient der erste Durchgang mehr der Nivellierung der Geschmacksknospen und hat damit immer schlechte Karten. Ja, ich würde fast soweit gehen, zu sagen, er fällt oft schon automatisch durch. Wenn nun ein Sekt an erster Stelle steht, zeigt sich, er ist – auch durch sein „Anderssein“ – quasi ausser Konkurenz und damit anders bewertet. Die Verkostung dazu ist hier. Und der Herr Steininger hat nicht schlecht abgeschnitten, würde ich sagen.

Riesling Mordthal, 2009, Fritsch

Der Herr Fritsch macht ausgesprochen tolle Sachen, aus meiner Sicht ist er der Winzer im Wagram, leider hat dieser sein Riesling sein Leben bereits vor unserer Verkostung ausgehaucht. Ungewöhnlich, würde ich sagen, für ein grosses Gewächs dieser Art. Trotzdem leider wahr. R. I. P.

Grüner Veltliner Gottschelle Reserve DAC, 2008, Stift Göttweig

Sehr beeindruckend, dieser Veltliner. Ich hatte ursprünglich zwei Flaschen, die erste, schon vor Wochen geöffnet und probiert war definitiv tot aber diese Zweite überzeugte sehr. Und zwar hier.

Gelber Muskateller Toms Hochkittenberg, 2007, Manfred Tement

Der gute Herr war schon vor einiger Zeit in die ewigen Jagdgründe eingegangen, ein kurzer Sniff genügte um dies mit Sicherheit festzustellen. Exitus. Schade darum, immerhin eine 1. STK Lage.

Morillon Schusterberg, 2007, Maitz

Auch der Herr Maitz überzeugte hier nicht mit langer Haltbarkeit. Leider auch schon verstorben. Was mich doppelt traurig macht, bin ich doch ein Freund gereifter Chardonnays. Tja …

Riesling Achleiten, 1997, Freie Weing. Wachau

Aus meiner Sicht, der Abendsieger. Selten habe ich solch schön gereifte Aromen geniessen dürfen. Eine kleine Idee davon gibts hier.

Tetuna, 2003, Robert Goldenits

Toller Stoff. Und das für viele Jahre. Denn er beschreibt auf jeden Fall, wie ein fast zehn Jahre alter Rotwein richtig zeigen kann was Klasse ist. Wenn … ja, wenn der Winzer das  eben auch kann. Tolle Sache, Herr Goldenits. Hier gibts mehr.

Traminer Nr. 2, 1999, Kracher

Gerade bei den Trockenbeerenauslesen aus dem Hause Kracher geht man durchaus von einer gewissen Haltbarkeit und Reifungsfreude aus. Wie man an diesem Abend gesehen hat, zu Recht. Hier gibt es mehr.

Alles in allem ein ausgesprochen spannender Abend mit recht spannenden Weinen. Wer nun wirklich der Sieger war, ist im Grunde etwas unklar, denn hier teilen sich die Meinungen sehr. Den Titel des Abendsiegers teilen sich der Riesling Achtleiten 1999 und der Tetuna 2003. Da wir hier aber keine Einigung finden konnten bleibt es für heute bei einem Gleichstand auf dem ersten Platz.

 

verkostet, am 21.3.2012

Foto: afitz / 123RF Stock Photo

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