Der VKI sagt: Palmöl ist in aller Munde

Palmöl, KonsumentKonsumenteninnen und Konsumenten, die Zutatenlisten aufmerksam lesen, konnten in den letzten Monaten feststellen, dass es kaum noch Lebensmittel gibt, in denen nicht Palmöl verarbeitet ist. Ob Backwaren, Schokolade, Tiefkühlpizza oder Müsli, ohne Palmöl/Palmkernöl (Palmfett/Palmkernfett) kommt kaum etwas in das Supermarktregal. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) ist der Frage nachgegangen, woher dieser flächendeckende Einsatz eigentlich kommt und welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind.

Palmöl gilt derzeit als die eierlegenden Wollmilchsau unter den Pflanzenölen. Es sorgt für das gewünschte Schmelzverhalten bei Schokoladen, Kakaoglasuren, Waffeln und Bonbons. Es verbessert die Streichfestigkeit von Margarinen, verlängert die Haltbarkeit von Fertiggerichten, verhindert Gärprozesse bei Backwaren, eignet sich zum Rösten von Getreide und zum Frittieren von Snacks. Hinzu kommen weitere vorteilhafte Produkteigenschaften: Palmöl lässt sich leicht verarbeiten, ist geschmacksneutral, hitzestabil und sehr lange haltbar. Und damit noch nicht genug, einer der wichtigsten Faktoren für die Industrie: Palmöl ist billig in der Herstellung. Die Ölpalme, aus deren Früchten das Öl gewonnen wird, ist eine genügsame Pflanze, die kaum Ansprüche stellt und bis zu 15 Ernten im Jahr erlaubt. Letzteres macht Palmöl auch für andere Branchen attraktiv. Es wird für die Produktion von Futtermitteln, Biokraftstoff, Reinigungsmitteln und Kosmetika eingesetzt.

Die Nachfrage nach Palmöl steigt stetig an. Die weltweite Anbaufläche hat sich seit 1990 bereits verdoppelt. Diese Entwicklung hat teils gravierende ökologische und soziale Folgen in den Produktionsländern. Rodung von Regenwäldern, Zerstörung der biologischen Vielfalt durch Monokulturen, Wassermangel, Landraub, Lohnsklaverei, Kinderarbeit und gewalttätige Auseinandersetzungen sind die Kehrseiten der Medaille. Nicht die Substanz Palmöl ist hier das Problem, sondern die Produktionsmethoden und das ökonomische Umfeld.

Aber auch wenn es um gesunde Ernährung geht, gehört Palmöl nicht zur ersten Wahl. Der Anteil gesättigter Fettsäuren beträgt bei unraffiniertem Palmöl etwa 50 Prozent, bei Palmkernöl liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent. „Wer auf seine Gesundheit achtet, sollte Öle mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren aus dem Weg gehen“, empfiehlt Katrin Mittl, Ernährungswissenschaftlerin beim VKI. „Es gibt verschiedene gute Gründe, Palmöl zu vermeiden. Wer auf gesunde Ernährung Wert legt, sollte zu frischen Zutaten greifen und Fertigprodukte im Regal liegen lassen, so wird automatisch weniger Palmöl konsumiert. Sollte das nicht möglich sein, kann man versuchen auf Lebensmittel mit Palmöl aus biologischer und fairer Erzeugung zu achten.“

Die Kaufentscheidung wird dem Verbraucher allerdings nicht gerade einfach gemacht. Derzeit ist die Kennzeichnung der Produkte in den wenigsten Fällen aufschlussreich. Staatliche Siegel mit klaren Vorgaben für nachhaltig erzeugtes Palmöl existieren bisher nicht. Angesichts der verwirrenden Kennzeichnungen mit freiwilligen Hinweisen und Etiketten oder nichtssagenden Aufdrucken ist es für Konsumenten schwierig sich zu orientieren. Wesentliche Informationen für eine Kaufentscheidung werden oft nicht genannt: Woher stammt das Palmöl und unter welchen Bedingungen wurde es produziert? Kann die Firma Landraub und Umweltzerstörung ausschließen? So bleibt den Konsumentinnen und Konsumenten leider häufig nur der Weg, sich mit ihren Fragen an Hersteller und Supermarktketten zu wenden.

Quelle: APA
Bild: Pixabay/feelphotoz

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