Der Ursprung des Tees. Die Dimension. Teil 2

Peter und der Tee. Peter Ladinig über den Tee und seine Geschichte. Foto: FotoliaDie Song-Dynastie: Glanzzeit der Teekultur
Für die Song-Dynastie (960-1279) ist eine äußerst entwickelte Teekultur mit einem Hang zu Finesse uns Luxus kennzeichnend. Es war eine Zeit, in der den zivilen Angelegenheiten mehr Bedeutung beigemessen wurde als den militärischen Belangen, und daher konnte sich hier eine sehr kultivierte und intellektuelle Schicht entwickeln, die eine regelrechte Literatur um die Gebräuche des Tees begründete. Kaiser hui Zong (1082-1135), genannt Zhao Ji, verfasste die berühmte Abhandlung über den Tee (Da Guan Cha Lu), die detaillierteste Beschreibung des hoch entwickelten Stils der Tee-Zeremonie der Song-Dynastie. Die Zubereitung des Tees wurde aus der Praxis des Siedens heraus zum Aufguss hin weiterentwickelt. Das grobe Teepulver wurde in eine Teeschale gegeben und kochendes Wasser darauf gegossen, und ein „Tee-Pinsel“ wurde eingesetzt, um das Ganze zu mischen. Ähnlich wie beim heute bekannten und im Trend liegenden Matcha-Tee.

In der Song-Periode wurden kreisrunde Teeblöcke, benannt nach Drachen und Phönix, verwendet. Man zählte über 4.000 verschiedene Arten. Es gab Wettbewerbe, bei denen man sein Können in der Zubereitung des Tees und der Kunst des Servierens demonstrieren konnte. Diese Wettbewerbe waren unter Adligen, Literaten und einfachen Leuten gleichermaßen beliebt und schufen den Anreiz zur Herstellung von Teegeschirr: die schwarz glasierten Tassen gehören zu den typischen Accessoires, die beim Ritual der Zubereitung eingesetzt wurden.

Tee war sowohl ein Produkt des wirtschaftlichen und kulturellen Wohlstands als auch ein wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens. Die Teehäuser florierten. Einige handelten sogar mit Kleidung und Gemälden und waren mit Blumen und Malereien berühmter Künstler bestückt.

Während der Südlichen Song-Dynastie studierten die japanischen Mönche Enni Ben’en (1235) und Nanpo Jomin (1259) in der Provinz Zhejiang Buddhismus und kehrten mit Samen der Teepflanze und dem Wissen, wie Tee zu servieren war, in ihr Heimatland zurück. Und auch Eisai, ein geachteter japanischer Mönch, der sich einmal 1169 und einmal 1187 nach China begab, um die buddhistischen Schriften zu studieren, kehrte mit Teesamen und dem Wissen um die Tee-Zubereitung nach Japan zurück. Er schrieb das erste japanische Buch über Tee: Kissa Yojoki (Über die Heilwirkung des Tees). Noch heute basiert die japanische Teezeremonie (Cha Nu Yu) auf der Zubereitung des Tee in Pulverform mithilfe eines Pinselns, der zur Zeit der Song-Dynastie in Mode war. Heute erfährt dieser Tee einen Relaunch und Boom als Match-Tee.

Die Ming-Dynastie: Teekultur in aller Schlichtheit
In der Zeit der Ming-Dynastie (1368-1644) gab es wesentliche Veränderungen in der Kunst des Teegenusses. Die während des Tang- und Song-Dynastie gängige Praxis, den Tee in Pulverform aufzukochen oder aufzugießen und ziehen zu lassen, wurde durch die Methode des Aufgießens der Teeblätter mit kochendem Wasser ersetzt. Dieses Verfahren wurde wegen seiner Schlichtheit geschätzt, und man stellte fest, dass auf diese Weise der natürliche Geschmack des Tees erhalten blieb. 1391 erließ Kauser Zhu Yuanzhang ein Edikt, demzufolge als Abgabe loser Tee anstelle der gepressten Teeblöcke erlaubt wurde. Man veranstaltete keine Wettbewerbe mehr, und da man die zu Pulver zerkleinerten Teeblätter nicht mehr benutze, wurde auch die bisher dafür eingesetzten Gerätschaften wie Metall- oder Steinmörser sowie Kocher und Teepinsel nicht mehr benötigt. Stattdessen wurden Teekannen aus Ton und Porzellan immer beliebter. In Yixing in der Provinz Jiangsu wurde ungefähr zur Mitte der Zeit der Ming-Dynastie ein besonders feiner, eisenhaltiger und äußerst wasserdurchlässiger Ton entdeckt. Seitdem werden die besten Teekannen aus diesem Ton gefertigt, der das natürliche Aroma des Tees noch erhöht.

Während dieser Zeit erreichte die Zentralisierung der Macht in der absolutistischen Monarchie ihren Gipfel. Für viele Künstler und Intellektuelle war es unmöglich, sich ihrem Talent entsprechend frei auszudrücken. Infolgedessen gaben sie sich anderen Tätigkeiten hin. Sie reisten, widmeten sich der Musik, dem Schauspiel, der Malerei oder der Kalligrafie, alles Übungen, die im Einklang mit dem Teetrinken standen. Zahlreiche Fachleute der auf dem Gebiet des Tees waren hervorragende Gelehrte. Sie haben mehr als fünfzig Bände über den Tee verfasst, von denen viele von Generation zu Generation weitergegeben worden sind.

Die Qing-Dynastie: Volkstümliche Dimension der Teekultur
Während des ersten Abschnitts der Qing-Dynastie (1644-1911) verbreitete sich der Tee über die ganze Welt. Der Export von chinesischem Tee nahm in raschem Tempo zu. 1886 erreichte die Produktionsmenge den Rekord von 134 Millionen Kilo. Der chinesische Tee erlangt das Monopol auf dem weltweiten Markt, wenngleich die Ausfuhrmengen wenig später einbrachen, denn allmählich verlor China seine Absatzgebiete in Übersee an Indien, Sri Lanka, Indonesien und Japan, an Länder, in denen sich der Anbau vor Ort auszubreiten begonnen hatte. Großbritannien ist an dieser Entwicklung Federführend. Den Briten wurden die Preise Chinas zu hoch, weshalb das Königshaus es war, welche den Tee Anbau in königlichen Hoheitsgebieten in Indien und Co förderten und voran brachten.

Während der Qing-Dynastie wurde die chinesische Teekultur zu einem Bestandteil des täglichen Lebens einer jeden Familie. Nach und nach verbreiteten sich die chinesischen Teebräuche auch in der westlichen Welt. Sowohl in den ländlichen Gebieten als auch in den Stadtgebieten Chinas wurden die Teehäuser zu unentbehrlichen öffentlichen Orten, waren Treffpunkte und Unterhaltungszentren, und so entstand eine Teehauskultur, die sowohl einzigartig als auch variantenreich war.

Es entstanden auch immer mehr Tee-Fachgeschäfte. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfuhr die Entwicklung der Tee-Indistrie in den Regionen Jiangxi, Anhui und Zhejiang einen großen Aufschwung. Anbau- und Verarbeitungstechniken wurden hier studiert und entwickelt. 1940 richtete die Landwirtschaftliche Fakultät der Fudan-Universität den ersten Fachbereich für Teestudien und in die erste Vorlesungsreihe ein, die auf die Schulung von Fachleuten für Tee ausgerichtet war.

Die Verbreitung des Tees in Europa
Es herrscht keine Gewissheit darüber, ob es die Portugiesen oder die Holländer waren, die den Tee zuerst nach Europa brachten. Die Portugiesen waren die Ersten, die von dem Getränk osteten, doch sie waren in wirtschaftlicher Hinsicht von den Holländern abhängig, die die wichtigsten Importeuere für Waren aus Fernost waren. Zu Beginn wurde der Tee lediglich zu dem Zweck verlanden, die Freiräume zwischen den anderen Waren in den Laderäumen der holländischen Schiffe zu füllen. Erst im Jahre 1637 erkannte die niederländische Ostindien-Compagnie die Möglichkeit, daraus Profit zu schlagen. Schon sehr bald wussten die Niederländer dieses Getränk zu schätzen. Ganz allmählich verbreitete sich der Tee auch bin nach Deutschland und Frankreich. Die Kunde von diesem fernöstlichen Getränk gelang sogar nach England, wo sich der Brauch des Teetrinkens schnell verbreitete. In Russland wurde der Ree schon 1567 bekannt, als er von aus China kommenden Karawanen eingeführt wurde. Zu Anfang des 17. Jahrhundert, als die Holländer Neu-Amsterdam gründeten, das heutige New York. Die Einführung des Tees in Italien wird den aus dem Krim-Krieg 1855 heimkehrenden Infanterietruppen (Bersaglieri) zugeschriebeN:

Text: Peter Ladinig
Bild: Pixabay

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