Der Ursprung des Tees. Der Anfang. Teil 1

Tee und seine Geschichte. Bild: PixabayTee kann sich einer uralten Herkunftsgeschichte rühmen, um die sich je nach Land verschiedenste Mythen und Sagen ranken. Der chinesischen Legende nach trank Kaiser Chen Nung, der als Vater der Landwirtschaft und der Medizin gilt und der in Bezug auf Hygiene äußerst streng war, ausschließlich abgekochtes Wasser. Eines Morgens im Jahr 2737 vor Christus, als er sich im Schatten eines wilden Teestrauches ausruhte, blies ein sanfter Wind einige Teeblätter mitten ins gerade kochende Wasser, wodurch es sich golden färbte. Der Kaiser kostete neugierig davon und erklärte: „Aus dem, was der Himmel schickt, entspringt die Harmonie in uns.“ Er führte das Getränk zum Mund, und daraus entstand die Tradition des Teetrinkens.

Für die Inder war der Bodhidarma, der den Tee entdeckt hat, der Sohn des indischen Königs Kosjuwo. Er begab sich nach China, wo er die Lehren des Buddhismus verkündete. Er legte das Gelübde ab, über nein Jahre der Meditation nicht zu schlafen. Doch laut japanischen Buddhisten schlief Bodhidarma nach drei Jahren ohne Schlaf ein und träumte von ein paar seiner Jugendlieben. Beim Erwachen ärgerte er sich über seine Schwäche, schnitt sich die Augenlider ab und vergrub sie. Genau an dieser Stelle spross dann ein wilder Strauch, aus dessen Blätter sich ein Getränk bereiten ließ, das die hervorragende Eigenschaft besaß, Kraft zu spenden und während der langen Mediationswache zu helfen, die Augen offen zu halten.

China ist das Herkunftsland der Teepflanze, und das chinesische Wolk war das erste, das sie entdeckte und verwendet hat. Die Sitte des Teetrinkens hat über die Jahrhunderte eine Industrie von riesigem Ausmaß und eine vielgestaltige, vornehme Kultur begründet, die sich über die ganze Welt verbreitet hat. Die Geschichte davon, wie die Teepflanze die verschiedenen Kulturen erobert hat, ist vielschichtig. Wir beschränken uns hier auf eine schnelle Übersicht zu Veranschaulichung der wichtigsten Etappen der Verbreitung des Tees in China.

 Altertum und erste Dynastien: Die Anfänge des Tees
Tee wird in China schon seit undenklichen Zeiten konsumiert. Dank einiger Schriften, in denen „tu“ (ein alter Begriff für die Teepflanze) als Heilmittel bezeichnet wird, wissen wir, dass die Blätter der Pflanze, die im Grenzgebiet zwischen China, Laos und Myanmar zu Hause ist, bereits zwischen dem 11. Und 8. Jahrhundert v.Chr. als bitteres Heilkraut verwendet wurde. In China betrachtet man den Bezirk Xishuangbanna in der Provinz Yunnan, wo noch heute zahlreiche wilde Teepflanzen zu finden sind, als Ursprungsregion des Tees. Erst ab dem 4. Jahrhundert v.Chr. verbreitete sich der Anbau, und in den Provinzen Yunnan und Sichuan wurden die ersten Pflanzungen angelegt. Anfänglich wurde Tee als Getränk nur in den alten Königreichen Ba und Shu im Südwesten Chinas konsumiert. Als sich dann der wirtschaftliche und kulturelle Austausch verstärkte, verbreitete sich das Teetrinken auch entlang des Jangste und in der zentralen Tiefebene. Ein erstes Aufkeimen der Teekultur war während der Wie- und Jin-Dynastie und den Dynastien des Südens und des Nordens zu verzeichnen, und mit der Vereinigung des Nordens mit dem Süden breitete sich der Konsum weiter in Richtung Norden aus. Während der Han-Dynastie (206 v.Chr – 220 n.Chr) entwickelten sich die Provinzen Changsha, Hunan und Chaling zu den Zentren der Teeproduktion.

 Die Tang-Dynastie: Geburt der Teekultur
Während der mächtigen Tang-Dynastie (618-907) florierten Wirtschaft und Kultur. Tee, damals bereits Bestandteil des täglichen Lebens, wurde in jener Epoche noch populärer und erlebte seine Blütezeit dann in der Song-Dynastie. Während der Tang-Dynastie erlangte der Tee zunächst im Norden Beliebtheit. Die Gründe hierfür sind des nächtlichen Schlafens und Essens enthalten, doch das Teetrinken wurde ihnen zugestanden. Mit zunehmender Anhängerschaft entwickelte sich die Praxis zu einer Sitte. Ein anderer Grund für das Aufblühen der Teekultur jener Epoche ist, dass es üblich wurde, dem Kaiser seine Abgaben in Form von Tee zu leisten. In dieser Zeit wurde auch das erste „Buch vom Tee“ verfasst, das vielbeachtete „Chajing“ von Lu Yu, ein Meilenstein für die Entwicklung der Teekultur. Lu Yu ( 733-804), der als Gott des Tees verehrt wird, betrieb ausgedehnte Studien und fasste all das zusammen, was seine Vorgänger erarbeitet hatten, und lieferte so eine umfangreiche Übersicht über Ursprünge, Geschichten und Herstellung dieses Getränks, über die Arten der Zubereitung und des Konsumierens. Diese erste Monografie erhob das Teetrinken zu einer Kunstform. In jener Epoche waren unzählige Teevariationen verbreitet. Der runde Barren aus gepressten Tee war das wichtigste Erzeugnis und das Sieden die verbreitetste Zubereitungsart. Darüber hinaus verwendete man am kaiserlichen Hof der Tang prächtiges Teegeschirr für die Zubereitung und zum Servieren.

Im Jahre 641 brachte die Prinzessin Wen Cheng Tee als Teil ihrer Mitgift nach Tibet mit. Seit dieser Zeit wurde der Tee in großen Mengen gehandelt und als Luxusartikel auch in den Nordosten und Südosten eingeführt. Der Tauschhandel Tee gegen Pferde nahm in dieser Epoche seinen Anfang und dauerte durch die Tang-, Song-, Ming- und Qing-Dynastien hindurch über tausend Jahre an. Die Tibeter, die auf einer Hochebene lebten und sich vorwiegend von butter, Rind- und Hammelfleisch ernährten, waren dankbare Abnehmer für Tee. Sie nutzten ihn dazu, die Verdauung er fetthaltigen Nahrung zu fördern und um sich zu wärmen. In Tibet wurde kein Tee produziert, im chinesischen Flachland im Landesinneren, wo es an Pferden fehlte, hingegen in großen Mengen. Die „Ancient Tea Horse Road“ bestand aus einem fortwährenden Strom von Karawanen: Maultiere, Pferde, Felle und Medikamente kamen aus Tibet und den chinesischen Provinzen Sichuan und Yunnan, und in Gegenrichtung wurden Produkte des Flachlands im Landesinneren wie Tee, Kleidung, Salz und Artikel des täglichen Bedarfs transportiert.

Weiter gehts im zweiten Teil.

Text: Peter Ladinig
Bild: pixabay

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