Wein in Österreich: Rückblick 2015, Vorschau 2016

Wein im Restaurant, Österreich2014 war ein extrem schwieriges Jahr für heimische30 Winzer. Doch konnten sie ein hohes Qualitäts-Level halten, mussten jedoch erhebliche Mengenverluste hinnehmen.

Im Jahr 2015 durfte dann wieder aufgeatmet werden. Nach der Lese im Herbst stand zunächst schon einmal fest, dass die Menge deutlich gesteigert werden konnte. Auch das Traubenmaterial befand sich in einem hervorragenden Zustand.
Auf das schöne Frühjahr und die gute Blüte folgte ein Sommer, der für Überraschungen sorgte. Heiße Tage und Nächte waren Grund zu etwas Sorge, doch Mitte August gab es meist ausreichend Niederschlag. Die letzte Hitzeperiode Ende August verhalf den Reben zu einer sehr guten Reife, kühlere Nächte führten zu optimaler Aromaentwicklung. Ein guter Wetterverlauf im Herbst erlaubte eine entspannte und stressfreie Lese ohne Zeitdruck durch nahende Schlechtwetterfronten. Die Weine zeigen durchwegs eine sehr schöne, fruchtige Aromatik und Sortenausprägung. Ergänzt wird der Jahrestyp durch moderate Säure und meist kräftigen Alkoholgehalt, der den Körperreichtum unterstützt. Wermutstropfen waren jedoch leider massiver Hagel in der Nacht des 6. Mai, der insbesondere den Wagram, aber auch umliegende Regionen traf und auch dort schwere Schäden hinterließ.

Hohe Reife und geringe Säurewerte sind das Hauptmerkmal des Jahrgangs, die Alkoholwerte werden daher bei Weiß- wie Rotweinen relativ hoch ausfallen. Besondere Erwartungen setzt man in die Rotweine, bei denen sich auch bei den später reifenden Rebsorten ein ausgezeichneter Jahrgang abzeichnet. Im Burgenland konnte im Spätherbst eine unerwartet gute Süßweinernte und schließlich sogar der eine oder andere Eiswein eingebracht werden. In der Steiermark gibt es beim Welschriesling etwas weniger, dafür sind jedoch Muskateller und die Burgundersorten wie Chardonnay, Weißburgunder oder Grauburgunder sehr vielversprechend ausgefallen. Und auch in Wien zeigen sich Winzer und Weinmacher sehr zufrieden, und freuen sich schon auf einen kraftvollen Jahrgang 2015.

Was bedeutet dies unterm Strich?
Der Jahrgang 2015 eignet sich hervorragend als Speisenbegleiter mit neuen Kombinationsmöglichkeiten. So können zum Beispiel kräftige Rieslinge, Grüner Veltliner oder Gemischter Satz aus diesem Jahr noch besser zu kräftigeren Gerichten genossen werden. Vor allem Sommeliers dürfen sich kreativ austoben und so für neue Trends sorgen. Auch ist dieser Jahrgang sehr gut für all jene geeignet, welche Platz im Weinkeller haben. Denn im allgemeinen sind die 2015er Weine durch die relativ hohen Werte von Säure und den hohen Reifegrat des Traubenmaterials besonders gut für eine lange Lagerung geschaffen. Problemlos können hier gleich eine Vielzahl von Weinen für 10 Jahre und mehr in den Keller um zu reifen und sich weiterzuentwickeln.

Auch das Weinjahr 2016 gestaltet sich spannend in Österreich. Wir können bereits jetzt davon ausgehen, dass keine großen Mengen zu erwarten sind. Dies liegt zum Ersten am Spätfrost und Zweitens an die enormen Hagelschäden in weiten Teilen Österreichs. Nichtsdestotrotz haben diese bedauerlichen Ereignisse auch ihre Vorteile, wie wir aus dem Jahrgang 2010 wissen. Auch hier hatten heimische, aber auch internationale Winzer, Probleme mit Mengeneinbußen durch Hagelschäden. Dennoch schaffte man es aus diesem, erst noch als „Arschjahr“ bezeichneten Jahrgang, einen der besten Jahrgänge zu machen. Man schaffte ein enorm hohes Niveau in die Flaschen zu bekommen. Dieser Jahrgang überzeugte dann schnell, und das auch international. Auch im Jahr 2016 stehen die Winzer vor einer ähnlich brisanten Situation. In solchen Jahrgängen zeigen sich die tatsächlichen Fähigkeiten und Qualifikationen der Weinmacher. Ich freue mich schon sehr darauf, und bin ebenso darauf gespannt, wie Sie es auch sein dürfen. Ich denke dass wir uns freuen dürfen.

Text: Peter Ladinig
Bild: 123rf.com

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