Deftige Speckjause und reife Lagenweine

Snowboardlehrer JauseDie Kombination der deftigen Speckjause mit gereiften Lagenweinen wird von vielen Genießern zuerst sehr ambivalent betrachtet. Gelinde gesagt. Das geht doch nicht, schade um diesen tollen Wein und ähnlich entrüstete Aussagen bekomme ich da zu hören. Aber weshalb sollte das nicht zusammen gehen, frage ich gerade heraus? Ist eine Jause mit gut ausgebackenem Landbrot zu minder für einen Riesling Loibner Schütt 2001 aus dem Hause Knoll und aus welchen Gründen sollte ein Grüner Veltliner Aturo 2009 von Reinhard Waldschütz nicht zu Omas gutem Fleischaufstrich passen? Diese beiden Kombinationen möchte ich hier nur als Beispiele anführen, da ich genau das schon öfter genossen habe und auch viele meiner Gäste waren bei solchen Paarungen immer angenehm überrascht.

Aus meiner Sicht gibt es keine unpassenden Gerichte zu bestimmten Weinen oder umgekehrt. Wenn es schmeckt, dann passt es auch. Jeder Mensch hat sein persönliches Geschmacksmuster und nach einiger Zeit und wenigen Versuchen weiß man meist welche Art von Weinen zu den persönlichen Favoriten gehören. Und aus welchem Grund sollte der Wein unbedingt zum Gericht passen müssen? Machen Sie es doch einfach umgekehrt. Passen Sie das Gericht  „Ihrem“ Wein an. So kann beispielsweise ein mehrgängiges Menü mit einem einzigen Wein begleitet werden; Ihrem Gaumen wird keine Minute langweilig sein. Glauben Sie mir.

Ein Bauchspeck mit Rosmarienkruste, ein echtes Bratlfett frisch aus dem Reindl, das Verhackerte mit Rosenpaprikastückerl und die Blunzn mit Semmelwürfel, das alles passt perfekt zu den beiden oben erwähnten Weinen. Und keine Sorge, auch mit „gesünderen“ Sachen lassen sich wunderbare Lagen- und Topweinpaarungen herstellen. Ein Frischkäseaufstrich mit Orangenthymian und etwas Lavendel? Vielleicht ein Quargelaufstrich und ein Liptauer mit Brimsen, das gibt ganz sicher ein herrliches Geschmackserlebnis, auch – oder ganz speziell – mit etwas reiferen Weinen.

Mein persönliches Lieblingsnahrungs- und genussmittel heißt allerdings Brot. Zu all den oben aufgezählten Genussvarianten ist es schier Pflicht. In allen Spielarten kann ich es genießen, selbst trocken ohne Belag oder ganz pur mit etwas Olivenöl in der Pfanne angeröstet. Aber Vorsicht, so mancher Aufstrich will und will einfach keine Harmonie mit bestimmten Brotsorten bilden aber weil eben Geschmäcker verschieden sind, behalte ich meine persönlichen „Nicht so toll – Kombinationen“ hier für mich. Aber ich rufe Sie hiermit auf genau damit Ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Und machen Sie sich den Spaß und vor allem die persönliche Freude und würdigen Sie Ihre Spitzenweine, indem Sie diese mit einer deftigen (Speck)jause begleiten. Und vergessen die Kombination der Brotsorten nicht. Jause, Brot, Wein. Eine Gaumenfreude, die sicher viele schöne Überraschungen für Sie bringen wird!

Text: Andy Bigler
Bild: Bigler

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