Das berühmteste spanische Weingebiet im Glas

Wein im RestaurantEine vinophile Reise quer durch das berühmteste spanische Weinanbaugebiet Rioja unternahmen die Sankt Urbanus Weinritter am Donnerstag, den 19. November 2015. 24 Personen verkosteten 24 Weine aus den drei Bezirken Rioja Alta, Rioja Alavesa und Rioja Baja. Kulinarisch ergänzt durch spanische Köstlichkeiten. Los ging es mit dem leichten Sommerwein „Gaudon rosado“ 2014 mit 13 Vol% und zarten Himbeer- sowie Erdbeernoten los (€ 7,90). Gefolgt von der seltenen, erst 1988 entdeckten Mutation der Tempranillo blanco-Traube, die sich zu 100% im „Inspiracion“ 2013 von Bodegas Valdemar (€ 14,-) mild und rund mit Aromen nach reifen Äpfeln präsentierte. Die ebenfalls weiße Crianza Viura von Lopez de Heredia aus dem Jahr 2000 (€ 20,-) war 48 Monate im Eichenfass und fünf Jahre in der Flasche, bevor sie überhaupt erst in den Verkauft kam. Ein Wein für die Ewigkeit sozusagen, der mit Heuaromen und zarten Cherrytönen bestach. Für all diese Weine gilt das Prädikat ungewöhnlich, aber bemerkenswert.

Doch das, wofür Rioja weltberühmt ist, sind die Rotweine, bei denen die Tempranillo-Traube überwiegt. Manchmal bis zu 100 Prozent, manchmal im Verschnitt mit Granacha- und/oder Mazuelo-Trauben, gelagert in französischer oder amerikanischer Eiche. Für eine Reserva mindestens 12 Monate, für eine Gran Reserva mindestens 24. Dazu kommen jeweils mindestens zwei bzw. drei Jahre Flaschenreife, was durchwegs vollmundige, gereifte Rotweine mit bis zu 14 Volumsprozent hervorbringt. Wobei sich jene Weine, die zwischen sechs und zehn Jahre alt waren, am Besten präsentierten. Ältere Riojas (vor allem 20-30jährige) zeigten nur mehr einen Anklang ihres einstigen Potentials.

Kräftige Unterschiede
Bemerkenswert war dabei die Tatsache, dass die Weine mehr oder weniger aus den gleichen Trauben gekeltert wurden, im Erscheinungsbild aber doch ziemliche Unterschiede aufwiesen. Wobei fast durchwegs jeder Wein durch volle Fruchtaromen und eine mehr oder weniger kräftige Tanninstruktur überzeugte. Wie etwa Luis Canas Crianza 2010 mit 14 Vol% und vollem Himbeeraroma (€ 11,32), der 91 Parker-Punkte bekommen hat. Oder der 100prozentige Tempranillo-Rioja von Marques de Penasolvas 2012 mit 13,5 Vol% mit zarten Zimt- und Röstkaffee-Aromen (€ 23,-). Oder der Rioja Alavesa 2008 von Laderas del Portillo mit 14 Vol% von Rebstöcken aus dem Jahr 1967 mit kräftigem, fast herbem Erscheinungsbild (€ 23,-).

Bei den Reservas zeigte sich „Monte Real de Familia“ 2009 mit 14 Vol% aus 100 Prozent Tempranillo-Trauben vollmundig mit zartem Tannin (€ 16,-), die Gran Reserva vom gleichen Erzeuger aus dem Jahr 2007 bestach durch zartes Vanillearoma und vollem Körper (€ 24,-). Üppig und fleischig war auch die Reserva „Lagronia“ 2010 von Marques de Vargas mit 14 Vol% (€ 23,-). Die Reserva von Bodegas Lagonilla 2009 aus 80% Tempranillo und 20% Granacha zeigte um nur € 9,- eine wirklich tolle Performance.

Vom 2014 besten Weingut Spaniens, Bodegas Ramon Bilbao, kam die Reserva 2010 mit 90% Tempranillo, 5% Graziano und 5% Mazuelotrauben. 20 Monate im Eichenfass und 20 Monate Flaschenreifung sorgten für einen sehr ausdrucksstarken, vollmundigen Rotwein mit 14 Vol% um € 12,- In dieser Preisklasse lag auch die Reserva 2011 von Marques de Riscal, einem der ältesten Weingüter der Rioja am Nordufer des Ebro. Gegründet 1858 verfügt es über 500 ha Anbaufläche und wurde 2013 vom „Wine Enthusiast“ als bestes Weingut Europas ausgezeichnet. Der Wein selbst, von dem zwei Flaschen mitgenommen worden sind, bestach durch Noten von reifen, dunklen Beeren, einer guten Struktur und elegantem Tannin bei 14 Vol%. Ebenso die Reserva Castillo de Sajazerra 2008 mit 14 Vol% und 100 Prozent Tempranillo.

Zwischendurch kulinarische Köstlichkeiten
Zwischendurch sorgte Karl Schaffelner für kulinarische Köstlichkeiten, wie Hühnerfleischbällchen in Tomaten-Petersiliensauce, danach eine Gazpacho blanco mit Weißbrot und Mandeln, gefolgt von einem spanischen Bohneneintopf mit Rindfleisch und pikanter Chorizo-Wurst und zum Dessert geflämmte Karamelcreme. Köstlich!
Vina Alberdi 2007 korkte leider, die Reserva „Castillo de Varenga“ 2005 von Bodegas Solar de Ayala am Fuß der Sierra Cantabrica zeigte eine gute Struktur, zartes Fruchtaroma mit Vanilletönen, Trockenfrüchten bei 13,5 Vol%. Zehn Jahre älter dann die Reserva Onomastica 1995 von Bodegas Carlos Serres, die sich in der Nase sehr kräftig zeigte, ebenso am Gaumen rund und gefällig wirkte, beim Abgang jedoch bereits deutlich verloren hat. Noch einmal zehn Jahre älter dann die Reserva von Bodegas Barberana 1985, die sich mit 12,5 Vol% rund und gefällig aber bereits mit deutlichem Alterston zeigte. Und auch die Gran Reserva 1985 von Bodegas Marques del Puerto mit nur 12,5 Vol% hatte ihren Höhepunkt bereits hinter sich.

Ganz anders hingegen die Reserva „Amaren“ 2004 aus 100 Prozent Tempranillo von 60 Jahre alten Reben mit 100 von 100 Punkten ausgezeichnet (€ 40,-) Völlig zu Recht übrigens. Den Abschluss der Verkostung bildeten zwei Gran Reservas, die beide unter die Kategorie Spitzenweine einzustufen sind: jene von Carlos Serres aus dem Jahr 2005 mit 13,5 Vol% war 36 Monate im Barriquefass, jene von La Rioja Alta 2004 mit 13 Vol% zeigte alle Vorzüge dieses Top-Jahrgangs: fein strukturiert, vollmundig-fruchtig, kräftige Tanninstruktur und unglaublich langem Abgang (€ 42,-). Fazit: Das Beste zum Schluss,

Text und Fotos: Christian Stöger

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