Credo!

Ich liebe die österreichische Küche. Ich liebe diesen charmanten Mix aus böhmischen, ungarischen, norditalienischen und regionalen Köstlicheiten, die sich mitunter zu recht eigenwilligen Kompositionen zusammen tun (Bsp: Gulasch mit Polentaschnitten: da scheint sich wohl ein Ferenzc aus Debrecen in eine Moidl aus  Brixen verliebt zu haben).

Fruhstück in IrlandIch liebe die beinahe schon unüberschaubare Vielfalt von Gerichten, die aus aller Herren (Kron)Länder die Kochbücher unserer Grossmütter und gottlob auch heute noch unsere Mägen füllen.

Beim Anblick eines Altwiener Tafelspitzes mit Schnittlauchsauce und gerösteten Erdäpfeln (nein, bei mir heisst es nicht Kartoffeln) rinnt mir das Wasser im Mund zusammen – der Geschmack eines in Wurzelrahmsauce gebratenen Fasans mit selbstgemachten Kroketten  ist für mich eine Offenbarung und die flüchtige Schönheit original zubereiteter Salzburger Nockerl eine der grössten Herausforderungen, die es für eine Köchin gibt. Umso interessanter wird für mich jeder Auslandsaufenhalt, denn gerade im Urlaub bin ich mit geschärften Geschmackspapillen unterwegs.

Heute möchte ich von Irland berichten, dem Land, dem ich schon von Jugend auf eine unerklärliche  Affinität entgegenbringe, obwohl mir die Gründe dafür schleierhaft sind. Ich habe dort weder Verwandte, noch bin ich nachweislich in einem anderen Leben eine Zaubertrank brauende Druidin gewesen, die bei Vollmond um schmiedeeiserne Kessel tanzt.

Trotzdem :die geheimnisvolle  Insel mit den rothaarigen, trinkfesten Menschen musste erforscht werden. Dass das Land wunderschön ist und mir mit seinem rauhen Klima sehr entgegenkommt, steht außer Frage.

Anders sieht es allerdings mit der Kochkunst aus:

Als ich mein erstes Frühstück in Dublin einnahm, fühlte ich  mich wie ein Holzfäller: es gab gebratenen Speck,  gebratene Eier, gebratene Blutwurst, gebratenen Schinken und Tee mit Milch. Weil meine Aggressionsschwelle sehr niedrig ist, wenn mir morgens der lebensnotwendige Kaffee verwehrt wird, sah ich die am Teller schwimmenden Fettaugen mit einem bösen Blick an und flüchtete in die nächste Seitengasse, wo ich mir einen  kräftigen Coffee to go leistete, der auch hielt, was sein anregender Geruch versprach.

Guenness, Irland

Genuss ist nationalitätenunabhängig.

Damit war der Vormittag gerettet und ich freute mich auf den Lunch: In Irland muss man natürlich Irish Stew essen und ich suchte mir ein kleines Lokal mit Blick auf die Liffey, in dem mir ein sommer-sprossiger Waiter einen Eintopf mit Pürree servierte. Das wars auch schon:  das Lammfleisch konnte man weder sehen noch schmecken, in einer braunen Brühe schwammen Erdäpfelstücke herum und in die Mitte des Tellers war ein Löffel smashed potatoes geklackst, aus dem man ausser Glutamat nichts heraus schmeckte.

Allright, dann eben Fish´n Chips:. Auch das war ein Fehler: Österreichische Zungen sind Pommes frittes mit Essig nicht gewohnt und der Fisch(?) war mit einer steinharten Panade zugekleistert. Abgesehen davon wog das gute Stück gefühlte eineinhalb Kilo und wurde der hoffnungsvollen Touristin unbarmherzig in die Hand gedrückt.

Nachdem Essen im Gehen für mich ungefähr so anregend ist wie ein Beinbruch, sehnte ich mich nach IRGENDETWAS, das meinen verwöhnten steirischen Gaumen wenigstens annähernd befriedigen möge.. Es gab Sandwiches, gefüllt mit allen möglichen und unmöglichen Dingen (Erdnussbutter mit Banane!) und Crepes, die mit den hauchdünnen französischen Pendants ausser dem Namen nichts gemeinsam hatten.

Die Rettung kam in Gestalt eines Freundes, der mich zu seiner Mutter brachte- als ich ihr von meiner abenteuerliche Odyssee in Dublin erzählte, lud sie mich ein, ihr Gast zu sein und zauberte das beste Roastbeef, das ich jemals gegessen hatte, aus dem Ofen. Es wurde dann noch ein sehr gemütlicher Abend mit Guinness und Trinkliedern, mit Jameson-Whiskey und alten Geschichten. Wir  tauschten Rezepte aus („whats that applestrudle?“) und ich versöhnte mich wieder ein bisschen mit der irischen Küche.

Nota bene: über die österreichische Kochkunst lasse ich nichts kommen!

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