Camembert und Brie. Gleich und doch nicht gleich.

Brie und CamemberMal ehrlich, haben Sie sich nicht auch schon gefragt, was Camembert und Brie eigentlich unterscheidet? Warum gibt es so viele Namen für Käse mit einem weißen Edelpilz? Diesen beiden, wohl beliebtesten Sorten, die weitläufig durchaus einer Verwechslungsgefahr unterliegen, wollen wir uns heute widmen. Denn der Unterschied liegt im Detail. Auf den ersten Blick sind sie tatsächlich ähnlich, sieht man aber etwas genauer hin, so weiß man bald um die Einzigartigkeit jeder der beiden Sorten.

Wir wollen uns ein wenig ihre Geschichte ansehen. Der Brie hat seinen Ursprung im Département Seine-et-Marne in der Île-de-France. Er wurde 1815 auf dem Wiener Kongress zum „König aller Käse“ gekürt, als der französische Staatsmann Talleyrand zur Auflockerung der Verhandlungen um die politische Neuordnung Europas einen Käsewettbewerb ausrichten ließ, bei dem alle 30 Staatenvertreter ihre landestypischen Käsesorten präsentierten.

Der Camembert hingegen verdankt seine Existenz, der Legende nach, einer Bäuerin aus dem Dorf Camembert in der Normandie: Ein Priester aus Brie (in der Nähe von Paris), wovon auch der gleichnamige Käse stammt, fand während der Französischen Revolution bei ihr Unterschlupf und weihte sie in die Geheimnisse der Käseherstellung ein. Tatsächlich aber wurden in der Gegend schon lange vorher ähnliche Käse erzeugt. Zum Durchbruch verhalf dem Camembert dann der französische Kaiser Napoléon III., der ihn auf die kaiserliche Hoftafel setzte. Um 1890 wurde die bekannte Verpackung in kleinen runden Spanschachteln erfunden und heute wird Camembert nicht nur in alle Welt exportiert sondern auch vielfach in anderen Regionen hergestellt, da die Bezeichnung Camembert alleine nicht geschützt ist.

Der offensichtlichste Unterschied der beiden Spezialitäten aber liegt in ihrer Größe: So weist ein Brie aus Frankreich einen Durchmesser von 22 bis 38 cm auf, während der Camembert in der Regel nur zwischen 10 und 11 cm groß ist. Mit diesem Merkmal werden die beiden jedoch auch gleich geschmacklich abgegrenzt, denn das Verhältnis von Käseteig zu Rinde ist anders gewichtet und dadurch bedingt auch der Geschmack. Auch die Milch der Kühe erhält durch das Futter, durch Klima und Vegetation, ein charakteristisches Aroma, das wir natürlich im Käse wiederfinden. Und so schmecken Camembert aus der Normandie und Brie aus der Ile-de-France bei Paris bereits auf den ersten Biss unterschiedlich.

Äußerlich wirkt der Camembert etwas älter und zerfließt im Inneren, während ein Brie sehr glatt und frisch erscheint. Letzterer wird darüber hinaus in verschiedenen Veredelungen (Trüffel, Champignons, Walnüsse) angeboten, die den milden Käse geschmacklich unterstützen. Der Camembert schmeckt je nach Reifegrad mild aromatisch bis pikant und enthält etwas weniger Fett als der mildere Brie, so dass er einen trockeneren Geschmack aufweist. Hat er die richtige Reife erreicht, schmeckt er wiederum milder.

Unser Genusstipp:
Der Brie

  • ist ein klassischer Käse für eine gemischte Käseplatte, ist aber auch in der warmen  Küche beliebt: Nach dem Entfernen der Rinde schmilzt er gut in Suppen und Saucen, passt aber auch kalt gut zu Senfsauce und Salat, begleitet ebenso in Scheiben geschnitten auch Kartoffel- und Gemüse-Gerichte.
  • Besonders gut harmoniert Brie zu einem Chardonnay oder Dessertwein.

Der Camembert

  • erfreut sich in gebackener Form immer größerer Beliebtheit: Hierbei wird der nicht allzu reife Camembert entrindet und in dicken Scheiben paniert. Damit er beim Herausbacken nicht ausrinnt, empfiehlt es sich je nach Geschmack zwei bis dreimal zu panieren.
  • Auch als Ofengericht entfaltet er wunderschön seinen Geschmack. Hierfür einfach aus der Folie nehmen und in den unteren Teil der Spanschachtel zurück legen und kreuzweise einschneiden. Und dann ab ins Backrohr damit. Besonders lecker mit karamellisierten Nüssen und Feigen!
  • Als Weinbegleitung eignet sich beispielsweise ein trockener oder halbtrockener Riesling oder ein jugendlich-frischer Grauburgunder.

Beide Sorten zeichnen sich durch ihren gepflegten, schneeweißen Schimmelrasen aus und sollten weder auf dem Frühstücksbuffet noch auf der abendlichen Käseplatte fehlen. Sie schmecken pur oder garniert mit frischem Obst oder Gemüse. Am Besten, Sie probieren es einfach und verkosten ein Stück französischen Brie und einen Camembert aus der Normandie und achten auf die feinen Unterschiede. Sie werden sie sofort entdecken! Viel Vergnügen dabei.

Text: Alma Sonnleitner, Erik Stepanek
Bild: magone / 123RF Stock Photo

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