Cacao statt Schokolade

Schokolade und KakaoOder Wer „single plantation” sagt, muss auch “from bean to bar” sagen.

Vor einiger Zeit hatte ich während einer Geschäftsreise die Gelegenheit eine kurzweilige Wartezeit am Flughafen Heathrow zu verbringen. Und zwar beim Stöbern in einem kleinen aber sehr feinen Schokoladenladen. Wer bei einer derartigen Reise sein Glück bereits auf dem Schiff oder im Flugzeug finden will, dem sei’s gegönnt – ich wurde erst kurz vor dem Rückflug und in dem genannten Laden fündig. In edler quadratischer Kartonhülle mit goldfoliertem, tief geprägtem Logo, die Herkunftsbezeichnungen in unterschiedlichen Farben, gut im Kontrast zur dunkelbraunen Verpackung, las ich: INDONESIAN GOLD, MADAGASCAN GOLD, PERUVIAN GOLD, VENEZUELAN GOLD … Willie’s Cacao …?

Das Kleingedruckte versprach, je nach Herkunft, Aromen von Karamell- und Toffee, reifen Sommerfrüchten, über Rosinen und Feigen bis hin zu gerösteten Haselnüssen. Und das alles aus purer Schokolade; also aus mindestens 70% Kakao, etwas Kakaobutter, rohem Rohrzucker und dem ansonsten schon vielzitierten „Sonstnichts“. Diese wenigen Ingredienzien sind Anlass genug für eine sensationelle Gaumenfreude und veranlassten meiner Kollegen und mich, unsere  Britischen Pfund sinnigerweise nicht rück sondern in Gold zu tauschen: In Willie’s Gold. Und wir entschlossen uns die Entdeckung eben dieses Goldes auch mit unseren Lieben in der Heimat zu teilen. Eine Entdeckung zwar ganz ohne Abenteuer – aber für uns ein echtes Geschmackserlebnis.

Das Geheimnis der ausgeprägten Aromen liegt in der Verwendung von zumeist ertragsärmeren aber ursprünglicheren „Criollo“-Kakaosorten und zwar jeweils von einer einzigen Plantage. Mit dem Begriff „single plantation“ würdigt man diesen Umstand und zeichnet sich gegenüber anderen aus. Wie beim Wein, spielt auch bei Schokolade die Sorte, das Terroir und das Klima eine gewichtige Rolle bei der Entwicklung der spezifischen Noten, der Aromenvielfalt und -tiefe. Die getrockneten Bohnen werden in Willies Betrieben auf traditionelle Art in kleinen Mengen frisch geröstet, vermahlen, raffiniert, conchiert und verpackt. Das Ergebnis ist eine Vielfalt an Charakteristiken, die vielen Gaumen – auch meinem – bis dahin fremd waren. Jedenfalls beim Thema Schokolade.

Bezugsquellen in Österreich gibt es leider keine und der Versand aus Großbritannien über Willies online-Shop ist relativ teuer. Wenn man also nicht allzu oft nach London fliegt, gibt günstigere Lösungen den Gaumen damit zu verwöhnen. Mehrere Händler in Deutschland führen diese und ähnliche Spitzenprodukte Gott-sei-Dank. Ich persönlich bevorzuge chocolate-deluxe.de: Der Versand ist ab € 120,-gratis und das entspricht etwa einem Quartalsvorrat. Also in meinem Fall die ganz persönliche Lieblingsschokolade samt einigen Mitbringseln und einigen weiteren Neuentdeckungen, von denen zur gegebenen Zeit auch noch zu berichten sein wird.

Text: Manfred Vogl
Bild: zatletic / 123RF Stock Photo

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5