Buschberg, 2002, Jörg Bretz

Jörg Bretz, Carnuntrum

Jörg Bretz, Carnuntrum

Im Glas kräftiges Goldgelb mit grünen Reflexen. In der Nase frische Litschi, etwas Zitrone, viel überreife Mostbirne, etwas Kandis, viel Vanille, mit Luft auch Milchkaramellbonbon und zunehmend Wachholder, stoffig und intensiv, burgundische Anklänge. Am Gaumen wieder die überreife Mostbirne, etwas Kandis und mit Luft zunehmend Wachholder, cremig, lebendige Säure, darunter ein kleines Gewürzsträuschen und Zitrone, etwas weißer Pfeffer gegen Schluß, mittelbreit, relativ lang im Mund.

Wie immer ist es interessant Jörg Bretz‘ Weine zu verkosten aber relativ schwierig sie zu bewerten. Und zwar weil sie sich so gar nicht in die gängigen Schemen österreichischen Weins einfügen wollen. Dieser hier, ein weißer Cuvee, der schon 4 Jahre im Holz und dann offensichtlich 6 Jahre in der Flasche gereift ist, hat viele Qualitäten eines Barrique-Chardonnays ist aber im Grunde auch viel würziger und auf seine Art auch vielseitiger als so mancher der Kontrahenten. Detail am Rande, er ist kein Qualitätswein sondern ein Landwein. Möglicherweise waren die erforderlichen 15° KMW dafür nicht vorhanden aber der Winzer hat trotzdem entschieden, dass es so wie es ist gut ist. Das klingt sehr nach Jörg Bretz. Das Alleinstellungsmerkmal dieses Winzers ist sein Reifeanspruch und die Gewissheit, genau im Auge zu haben was zu tun ist. Und dies kommt wohl speziell diesem Buschberg zugute. Er ist recht schön definiert und auch am zweiten Tag in einer genussvollen Nachverkostung noch immer lebendig und geschmacklich auf der Höhe. Ich würde ihm auf jeden Fall drei Spirits geben, wenn auch der vierte schon um die Ecke lugt und den Fuß in der Tür hat. Nur ein klein wenig mehr Eleganz bräuchte es dazu vielleicht. Eine Kaufempfehlung ist er allemal, keine Frage.

Jörg Bretz, der Querkopf, der Ausnahmewinzer mit dem Reifeanspruch, hat seit einigen Jahren ein eigenes Weingut im Carnuntum. Seine Weine haben meist – mit Ausnahmen – nicht viel mit dem gängigen Carnuntum-Stil am Hut aber seinen hohen Qualitätsanspruch schmeckt man doch mit jedem Schluck. Er bewirschaftet inzwischen etwa 3 ha und kauft einiges an sehr hochwertigem Traubenmaterial zu um daraus seine interessanten Lagerweine herzustellen. Spannend? Nicht immer. Interessant? Auf jeden Fall. Immer.

Spirits:

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