Brot und (Fußball)Spiele in Dornbach

s3j1774Wie Sie aus dem Autorenportrait möglicherweise schon wissen, habe ich zwei Hobbys: Gut essen und trinken sowie Fußball. Unlängst hatte ich wieder einmal die Gelegenheit, diese beiden Leidenschaften zu kombinieren.

Als Anhänger eines Erstligaklubs hat man ja durchaus das Recht, gewisse Symphatien auch einer zweiten, am besten nicht unmittelbar in Konkurrenz stehenden Mannschaft zu widmen. In meinem Fall als leidenschaftlicher Rapid-Anhänger, aufgewachsen in Ottakring und nun in Hernals wohnhaft, ist das der Wiener Sportklub. Und so treibt es mich hin und wieder nach Dornbach, letzten Freitag mit zwei Freunden zum „Derby der Herzen“ gegen die Vienna. Also zwei Teams, die beide schon mal bessere (Erstliga)zeiten gesehen haben.

Der Sportclubplatz war wohl das erste Mal  seit 1977, dem Spiel gegen DSV Alpine mit dem damals 18-jährigen Shooting-Star Walter Schachner, ausverkauft. Das Spiel selbst zeigte eine vor allem in der 1. Halbzeit klar überlegene und mit 3-0 führende Vienna und einen WSK, der sich dem morbiden Ambiente der brüchigen Platzinfrastruktur und des unmittelbar hinter dem Platz gelegenen Dornbacher Friedhofs sowie dem holprigen Rasen anpasste. Nach dem Wechsel ging es dann etwas besser, letztlich fuhren die Döblinger aber einen nie gefährdeten 5-3 Sieg ein. Acht Tore, zum parallel schauen gab es sogar eine an die nackte Betonwand geworfene Spielübertragung auf ORF Sport+. Jedenfalls bis zur 60. Minute, dann war der Beamer hin. Herz, was willst du mehr?

Nach dem Match ging es dann schräg vis á vis in die Kainzgasse zum Weinhaus Arlt. Bei diesem Lokal handelt es sich um eine echte Wirtshausperle, die Einrichtung ist ein gelungenes Crossover zwischen traditionell und modern. Und gekocht wird gut, teilweise sehr gut, in letzter Zeit noch etwas besser. Abgerundet wird das Angebot durch eine Wein- und Schnapskarte weit jenseits der üblichen Beislqualität. Der Chef Thomas Zalud bietet auch außergewöhnlich gute Obstsäfte an. Aber sowas hat an einem Fußballabend natürlich nichts am Tisch verloren.

Im Schankraum war es brechend voll, Massen von Matchbesuchern hatten sich hier zum Public Viewing des Länderspiels in Liechtenstein zusammengefunden. Trotzdem sorgte eine sehr nette und flotte Bedienung für gut funktionierenden Nachschub. Die Bärlauchcremesuppe war dicht und aromatisch (so aromatisch, dass meine Frau noch zwölf Stunden später berechtigterweise missbilligend „Du knofelst noch immer!“ konstatierte), das Rindsgulasch mit Schnittlauchnockerln ebenfalls ein echtes Highlight, ein Dessert auf Topfenbasis beendete würdig das Menü. Dazu gab es Zwickl Naturtrüb zum Durstlöschen, einen Veltliner vom Fritsch und den großartigen Pinot Noir vom Aumann. Und zum Drüberstreuen einen Himbeerbrand vom Hämmerle sowie fünf Länderspieltore zum Bejubeln. Die Traumkombination zum 4-0 abgeschlossen von Junuzovic hat ganz hervorragend mit dem Aumann-Burgunder harmoniert. Beides sehr harmonisch im Abgang.

Das Weinhaus Arlt schafft das, was Spitzenwirtshäuser auszeichnet: einen gelungen Spagat zwischen gemütlichem Beislambiente und einer überdurchschnittlichen Küche. Es ist ein Lokal zum Hängenbleiben, zum Versumpfen. Und das haben wir auch gemacht. Ausgiebig. Weil eine Runde geht immer noch. Glücklicherweise ist es bei mir nicht weit heim.

Text: Michael Binder
Bild: Weinhaus Arlt

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