Bowle. Erfrischend und leicht.

Bowle. Wie geht das?Langsam zieht der Winter, die kalte, oft ein wenig unangenehme Jahreszeit von dannen und Frühling und Sommer halten merklich Einzug. Die Tage werden länger, die Temperaturen halten sich glücklicherweise stetig weiter fern vom Nullpunkt und auch die Abende werden immer lauer und laden dazu ein, als Tagesausklang ein kühles Gläschen Wein, Sekt, Bier oder ähnliches zu schlürfen. Mit dem Näherrücken des Sommers und dem immer reicheren Angebot an Früchten erwachen auch die sommerlichen Trendgetränke wieder zum Leben.

Wenn der Garten oder Balkon wieder vom Outdoor-Kühlschrank zum Wohnzimmer wird, verspürt man vermehrt das Verlangen nach einer Erfrischung, und was könnte diesem Verlangen besser Abhilfe schaffen als eine köstliche Fruchtbowle. Ob mit Alkohol oder ohne, wir sind eindeutig dankbar für die Erfindung dieser wunderbaren Kombination von Durstlöschern und Obst.

Wie sich vielleicht die Meisten schon gedacht haben, geht der Name der Bowle auf das englische Wort „bowl“, also „Schüssel“ zurück und steht in Verbindung mit dem Zubereitungs- und Ausschankgefäß. Wer wann die erste Bowle zusammenrührte lässt sich kaum rekonstruieren, allerdings existieren bowle-ähnliche Getränke in der Gesellschaft voraussichtlich bereits seit der Antike. In dieser Zeit galt es als unfein Alkohol pur zu trinken, deshalb schaffte man sich Abhilfe, indem den verpönten Getränken Wasser, Honig oder Gewürze beigemengt wurden. Im 18. Jahrhundert hatte Bowle-trinken einen durchaus elitären und gehobenen Charakter, bis es schließlich in den 1950ern bis 1970ern als Partygetränk etabliert wurde.

Unendlich viele Mutationen der Bowle kursieren mittlerweile auf unzähligen Internetseiten und doch ist die grundsätzliche Zubereitung überall in etwa die Gleiche. Manche davon erinnern mehr an jene Bowlen, die wohl eher auf einem wochenendlichen Besäufnis zu finden sind, andere machen aus der Weinwahl fast so etwas wie eine Philosophie. Im Allgemeinen verspricht die alkoholische Bowle doch ein stilvolles Sommergetränk zu werden, beachtet man bei der Zubereitung und dem Servieren nur einige kleine Details.

Eine Bowle zu bereiten ist eindeutig kein Anlass und alle Alkoholreste der vergangenen Partys zusammen in einen Eimer zu schütten, eine Dose Obstsalat aus dem Supermarktregal dazuzuwerfen und fertig. Eine richtige und richtig gute Bowle bedarf schon ein wenig mehr Liebe. Hat man sich also entschieden welches frische Obst es sein wird, schneide man es in mundgerechte Stücke, fülle den Boden eines Bowlegeschirrs auf – nein dazu gehören weder Eimer, Salatschüsseln oder Suppenschöpfer, sondern traditionelle bauchige Gefäße mit einer speziellen Kelle – und streue Kristallzucker darüber. Danach geht es an die Wahl des Alkohols, der zunächst unter die Früchte gemischt wird. Wichtig ist hier die richtige Menge zu erwischen, denn natürlich soll die Bowle dadurch einen gewissen Geschmack bekommen, die Früchte wollen jedoch auch nicht bis zur Ungenießbarkeit darin ersäuft werden. Prinzipiell passen am besten Rum oder Vodka zur Bowle, es gibt jedoch auch Abarten mit Cognac, Likören oder anderen Alkoholsorten. Dieses Gemisch sollten Sie für zumindest 1-2 Stunden setzen lassen bevor Sie es, wie in der klassischen Variante, zu gleichen Teilen mit Weißwein, Sekt und Mineralwasser oder Fruchtsaft aufgießen. Etwas weinaffinere Bowle-Trinker können Wein und Sekt auch auf die gewählten Früchte abstimmen. Ob eine Bowle mit Eiswürfeln im Getränk gekühlt werden darf, darüber besteht allgemeine Uneinigkeit. Manche sind der Meinung, es wäre in Ordnung, andere sind strikt dagegen, da Eiswürfel die Bowle beim Schmelzen wässrig machen. Erlaubt sind auf jeden Fall Eiswürfel aus Fruchtsaft oder spezielle Gefäße, wie etwa jenes des altdeutschen Bowlegetränks „Kalte Ente“, das einen eigens für Eis vorgesehenen Glaseinsatz hat. Zumindest dieser Teil der Bowlezubereitung wird hier jedoch jedem selbst überlassen. Je nach Belieben kann die fertige Bowle zu guter Letzt noch mit etwaigen Sirupen und Limetten- oder Zitronenscheiben verfeinert werden und wird schlussendlich mit erfrischenden und dekorativen Kräutern wie Zitronenmelisse- oder Minzblättern serviert.

Voilà, und schon darf die Bowle genossen werden.

Text & Bild: Marion Pertschy

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