Herr Meier und Bordeaux, Rind und Spargel. Genussvoll und echt.

Eisgekühlter Bordeaux

Bordeaux auf Eis

Französischer Wein ist für mich bisher ein Niemandsland gewesen. Natürlich habe ich mal einen Vin de Pays getrunken, oder was aus dem Languedoc, aber an einen echten Bordeaux hatte ich mich bisher noch nicht gewagt. Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur gewesen. Frankreich ist einfach nicht mein Weinland Nummer Eins,  die Preise sind, teilweise selbst im Einstiegsbereich, recht hoch. Irgendwann habe ich dann die Preistheorie aufgebeben, denn Spanier und Italiener sind auch nicht immer günstig, also was spricht gegen einen Wein aus dem Nachbarland? Die Angst irgendetwas falsch zu machen? Ob ich mir einen teuren Italiener kaufe der am Ende nichts ist, oder einen Franzosen, das ist egal.

In dieser Woche ist es dann soweit gewesen. Bestärkt durch eine gute Beratung habe ich meine erste Flasche Bordeaux in einem Restaurant bestellt. Ein 2003 Château Tauzinat´Hermitage, Grand Cru, Saint-Emillion. Als Begleiter zu irischem Weiderind und Spargel (grün und weiß) an Erbsenpüree konnte ich mir einen Bordeauxwein einfach gut vorstellen & der Kellner bestärkte mich in meiner Meinung.

Der zehn Jahre alte Rote durfte erst einmal ein wenig Luft atmen und wurde ordnungsgemäß dekantiert und wartete auf seinen Einsatz, während wir den ersten Gang genießen konnten und dazu einen Riesling vom neuen VDP Weingut Winter als Begleitung zur Seite hatten, dazu aber ein anderes Mal.

Die Hauptgänge wurden gereicht und der mit 12,5% Alkohol gesegnete Bordeauxwein fand seinen Weg in unsere Gläser. Der erste Eindruck in der Nase überraschte mich, denn der leicht ins rostbraune spielende Franzmann hatte einen nicht sofort eingängigen Geruch, eher etwas sehr holziges, was auch zum ersten Schluck passte, ein leicht sperriger Wein bahnte sich den Weg über meine Zunge um im Abgang etwas an Sanftheit zu gewinnen.

Meine Begleitung und ich empfanden den Wein im ersten Moment auch als etwas zu warm, wir gaben ihm noch ein paar Minuten um abzukühlen, was bei den aktuellen Temperaturen in Deutschland auch Eiswürfel (!) gut gelingt. Das irische Weiderind, butterzart gebraten und exakt auf den Punkt, löste bei uns schon eine gewisse Ungeduld auf den Rotweintropfen aus, und so mussten wir den Kühlungsprozess als andauernde Begleiterscheinung akzeptieren.

Der Wein wurde tatsächlich immer besser, was zum einem sicherlich damit zu tun hatte, dass er noch mehr atmen konnte und sich die Trinktemperatur tatsächlich ein wenig besser einpendelte. So wurde aus dem im ersten Moment recht sperrig wirkenden Bordeaux, ein angenehmer Begleiter mit leichten Noten von Sauerkische, Pflaume und einer Nuance von erdigem Terroirgeschmack.

In Kombination mit dem Rind ein sehr gelungener Begleiter, den ich aber beim nächsten Mal deutlich länger  atmen lassen würde, was das Geschmackserlebnis sicherlich noch steigern dürfte. Auch der weiße Spargel passte zu diesem Roten, denn der heiße Sommer 2003 gab diesem Wein etwas mit, was wir momentan am Himmel vermissen, aber eigentlich zum Spargelgenuss dazugehört: Eine Portion Sonne.

Text: Patrick Meier
Bild: Meier

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