Blaufränkisch, 1997, Jörg Bretz

Jörg Bretz, Carnuntum

Jörg Bretz, Carnuntum

Im Glas dunkles Rubin, opaker Kern. In der Nase Pinienwald, rote Waldbeeren, Ribisel, brauner Espresso, Kokos, Marzipan, Amarenakirsche, etwas Rumtopf, sehr vielseitig und schön definiert. Am Gaumen wieder Ribisel, Kakao, dunkler Espresso, viel Vanilee, sehr homogen und rund aber in keiner Weise sortentypisch, stoffig, Kokos gegen Schluß, viele sehr feine Tannine, recht lang.

Es ist schwierig die Weine dieses Ausnahmewinzers zu verkosten. Im Grunde ist dieser Blaufränkisch wunderbar klar definiert, vielseitig und homogen. Er lebt vom Holz, eigentlich nur vom Holz, ein schöner Barrique-Protagonist – nur mit einem Blaufränkisch und mit der Sportentypizität des Blaufränkisch hat er leider nicht mehr viel am Hut. Als Barrique-Vorzeigeobjekt oder als lang gereifter Spanier könnte er sicher seine fünf Spirits bekommen, als Blaufränkisch eher nur einen einzigen und als Herzeigewein zum Thema Reifung und Lagerung würde er auch hoch bewertet. So gesehen ist er schön – nur spannend ist er leider nicht. Selten ist bei einer Verkostung so heftig und intensiv diskutiert worden, die Meinungen gingen von absolut enttäuschend bis wunderbar gereift –  und letztendlich hat man sich auf zwei Spirits geeinigt. Aber genau genommen, müßte man diesen alten Herren außer Konkurrenz verkosten.

Jörg Bretz, der hessische Ausnahmewinzer aus dem Carnuntum, sympathische Querkopf mit dem Hang zum gereiften Wein, er ist ein ganz besonderer Weinmacher. Pardon, er selber sagt von sich, Wein würde nicht gemacht, es wird Naturwein produziert. Seit 1997 produziert er seine eigenen Weine und teilt die Konsumentenschaft in absolute Fans und auf der anderen Seite erbitterte Gegner. Trotzdem wurde er zu Captain Corks Winzer des Jahres gekürt und auch vom Magazin A la Carte hoch bewertet.

Verkostet, am 30.12.2012
Bild: Bretz

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