Die Bierecke: Bockig den Feiertagen entgegen

BockbierDie Zeit der Bockbieranstiche ist wieder da, viele heimische Brauereien sind mit dabei, dort finden dieser Tage eine Fülle von Veranstaltungen dazu statt. Doch was steckt hinter dem Bier und vor allem dem Namen und was haben Ziegen- oder Steinbock damit zu tun?

Mit den Tieren, deren Abbild die Flaschen oft ziert, hat das Bier rein gar nichts zu tun. Name und Bierstil stammen aus der Hansestadt Einbeck wo die Bürger um 1240 mit dem Stadt- auch das Braurecht erhielten. Die Einbecker exportierten ihr Bier allerdings bis nach Italien und um den langen Transport unbeschadet zu überstehen und das Produkt haltbarer zu machen, war ein höherer Alkoholgehalt unumgänglich. Das Bier musste dazu stärker eingebraut werden. 1614 wurde der Einbecksche Braumeister Elias Pichler vom Hofbräuhaus in München abgeworben, um dort eben dieses Ainpöckische Bier zu brauen – in der Münchner Mundart veränderte sich der Name im Laufe der Zeit zur Bezeichnung Bock.

Diese Art starker Biere geht in ihrem Ursprung auf die Klöster zurück. Dass was wir heute Weihnachts- oder Osterbock kennen, ist den Mönchen zu verdanken und ihrem Bedürfnis nach flüssigem Brot während der Fastenzeiten. Ob dabei letztlich wirklich diese Starkbiere genossen wurden ist unklar, gibt es doch auch die Vermutung, dass hauptsächlich Vorderwürze, das ist unvergorener Gerstensaft, getrunken wurde. Flüssiges bricht das Fasten nicht, sagt man, und dass das so ist, ist einer guten Portion Glück zu verdanken. Um den heiligen  Vater nicht im Unklaren über die hiesigen Fasten, -Ess- und Trinkgewohnheiten zu lassen, schickte man einige Fässer dieses Bieres nach Rom – man sollte sich auch dort ein Bild machen können. Beim Transport über die Alpen durchgeschüttelt und der intensiven Sonne Italiens ausgesetzt,  kam die Sendung allerdings völlig untrinkbar und sauer bei seiner Heiligkeit an. Der Heilige Vater befand das Bier für so gräulich, dass er das Seelenheil der Brüder nördlich der Alpen davon nicht gefährdet sah und erlaubte weiterhin das Brauen und Trinken während der Fastenzeiten.

Wenn heute auf der Flasche Bockbier steht, unterliegt der Inhalt einer genauen Definition. Es muss nämlich mindestens eine Stammwürze von 16° aufweisen. Unter dem Begriff Stammwürze versteht man die in Wasser gelösten Bestandteile von Malz und Hopfen. Der Geschmack darf dabei durchaus sehr unterschiedlich sein und hängt von Vergärungsgrad, verwendeten Hefen und Malz ab. Die Aromen reichen dabei vom Malzigen und Röstaromatischen bis hin zu fruchtigen wie Dörrfrüchten, Rumtopf oder Steinobst aber auch Zitrusaromen sind zu finden. Durch einen Alkoholgehalt von mindestens 6,5 % empfinden viele Menschen das Bier als wärmend. Sie sollten es auch nicht zu kalt trinken, die beste Trinktemperatur liegt bei mindestens 9° C. Geschmacklich passen Bockbiere perfekt zu herbstlichen und winterlichen Gerichten. Wild-, Gans- und Entenbraten, kräftiger würziger Käse aber auch Desserts, die die im Bier vorherrschenden Aromen der Dörrfrüchte und des Steinobstes widerspiegeln und unterstreichen passen perfekt.

Die Möglichkeit eines Durchkostens durch einen Teil der heimischen Bockbiere haben wir durch die Culturbrauer. Dieser Zusammenschluss verschiedener österreichischer Brauereien hat eine Bockbierbox aufgelegt, die seit wenigen Tagen im Handel erhältlich ist. Besonders herausstreichen möchte ich dabei das Jahrgangsbier Achat Honigbier Bock von Zwetter in dem auch noch die Kraft der Waldviertler Bienen steckt oder den Nachbarn Schremser, dessen Weihnachtsbräu das einzige Bier der 9 ist, das auch zum Weihnachtskarpfen passt. Auch wenn die Wahl bei 9 Böcken auf sehr hohem Niveau schwer fällt, mein persönlicher Favorit der Box ist eindeutig das Imperial Pilsner von Trumer. Kaltgehopft wie man es sonst eher von einem IPA kennt, hat es einen überwältigend blumig-hopfigen Geruch und sticht schon dadurch gut sichtbar hervor.

Übrigens: Das derzeit weltweit stärkste Bockbier nennt sich „Snake Venom„, hat 67,5% Alc. und kommt von der schottischen Brauerei „Brewmeister“. Wie es zu diesem kam ist aber eine Geschichte für sich.

In diesem Sinne Post. Und nicht vergessen, Bockbiere 10-15 min vor dem Trinkgenuss aus dem Kühlschrank nehmen.

Text: Ka­rin Vouk
Bild: Vouk

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