Die Bierecke. Bock extrem.

Bock extremNeulich habe ich in der Wiener „1516 Brewing Company“ einen ganz besonderen Tropfen serviert bekommen. Das SCHILGER‘S SMOKED DOUBLE BOCK ist ein sanft rauchmaliziger Doppelbock, wunderschön bernsteinfarben, mit einer leichten Note von gerösteten Maroni. Der milde Rezens macht dieses Bier trotz seiner gut 8% Alkohol so süffig, dass man schnell zu viel davon trinkt. Geplant war, diesen Bock von Johann Schlinger zu Bierbrand destillieren zu lassen. Glücklicherweise war man schnell zur Überzeugung gekommen, dieses Bier sei dafür viel zu gut gelungen, und hat einen Teil für die eigenen Gäste zurückbehalten. Nun bildet es die perfekte Ergänzung zur den derzeit angebotenen Spezialgerichten mit Gans.

Doch wo ist die Grenze? Wie stark kann man ein Bier brauen? Mit den derzeit verwendeten Reinzuchthefen kann man unter optimalsten Bedingungen einen Alkoholgehalt von maximal 25% erreichen. Da das von der Hefe erzeugte Ethanol ein Zellgift für sie ist, stirbt sie bei höherem Alkoholgehalt ab. Aktuell ist das stärkste Bier Österreichs die „Samichlaus“ von Schloss Eggenburg mit 14% Alkohol. Das weltweit stärkste Bier der Welt ist der „Schorsch-Bock 16%“ von Schorschbräu (D) mit – wie der Name schon sagt – 16% Alkohol. Die nächste Steigerungsstufe haben wir der Legende nach der Unachtsamkeit oder Faulheit eines Braugesellen zu verdanken.

Um 1890 vergaß ein Brauergeselle im oberfränkischen Kulmbach, die im Freien stehenden schweren Bockbierfässer in der Nacht in den Keller zu rollen. In der folgenden, besonders kalten Winternacht gefror das Bier, die Fässer platzen auf. Nur in der Mitte der Eisblöcke sammelte sich ein Konzentrat, das nicht gefroren war. Am Tag drauf befahl der Meister seinem Gesellen, die Blöcke aufzuschlagen und zur Strafe die Flüssigkeit im Inneren zu trinken. Doch zur allgemeinen Überraschung war das Konzentrat nicht nur genießbar, sondern sogar ausgesprochen köstlich. So wurde durch Zufall der Eisbock erfunden. Das Grundprinzip bei der Eisbockerzeugung gilt heute noch wie vor über hundert Jahren.

Für einen Eisbock wird Bockbier mit einer Stammwürze von mindestens 20% bei ca. -20°C ausgefroren. Dabei gefriert das Wasser, nicht aber der Alkohol; das Eis wird entfernt. Umso öfter man den Vorgang wiederholt, desto konzentrierter und hochprozentiger wird die Essenz. Bei diesem Verfahren liefern sich in den letzten Jahren einige Brauereien einen regelrechten Wettstreit. Im Oktober 2012 galt das „Amageddon“ der Schottischen Brauerei „Brewmeister“ mit 65% Alkohol als stärkster Eisbock der Welt. Bleibt abzuwarten, ob sich BrewDog (Schottland), Schorschbräu (Deutschland) oder Het Koelschip (Niederlande) den Titel wieder zurückholen werden. Seit November dieses Jahres gibt es jedenfalls vom amtierenden Weltmeister einen noch stärkeren Eisbock, das „Snake Venom“ mit 67,5% Alkohol.

Falls jemand Lust bekommen hat, aus seinem Lieblingsbier selbst einen Eisbock zu machen: Bukanter bietet Sets an, mit denen man ganz einfach zu Hause Bier ausfrieren kann. Ein Erlebnis, das man am besten mit Freunden zelebriert. Auch wenn Eisbock frostig klingt – die Trinktemperatur sollte je nach Stärke zwischen 9° und 15° liegen, damit er sein volles Aroma entfaltet.

Text: Ka­rin Vouk
Bild: Vouk

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