Bierecke. Affenkönig.

Affenkoenig, Imperial Indian Pale AleHannes Kugler, Brew Age-Braumeister und Ritter des Affenkönigs, sorgte mit der Vorstellung seines Pale Ale (PA) – Hopfenauflauf bereits für einiges Aufsehen. Ein Craftbeer Brauer ist mehr oder weniger dazu verpflichtet auch ein Indian Pale Ale (IPA) zu brauen. Kugler setzt noch einen  drauf, geht einen Schritt weiter und macht’s gleich königlich imperial.

Braumeisterliches Feingefühl
Quasi als Hommage an seinen König braute er ein Imperial Indian Pale Ale, mit der treffenden Bezeichnung, Affenkönig. Double, eine ebenfalls sehr geläufige Bezeichnung für diese Art von IPA, trifft den Nagel sozusagen auf den Kopf und das mit der sprichwörtlich vollen Fettn. Von allem ein bisserl mehr –  hopfiger, malziger, fruchtiger, stärker und intensiver. Aber bitte, königlich imperial soll’s werden, nicht ungehobelt protzig und derb, Feingefühl ist gefragt.

Da steht er Kopf der Affenkönig. Und das darf er auch, denn sein getreuer Ritter und Braumeister beweist äußerst viel Feingefühl für harmonischen Geschmack. Während das leicht getrübte, bernsteinfarbene Bier mit funkelnden Orange Reflexen ins Glas läuft und eine kompakte, besonders feinporige Schaumkrone aufgebaut wird, entsteht nicht nur großes Verlangen nach dem ersten Kostschluck, es wird auch die Vermutung in den Raum gestellt, man könne hier wohl keinen „Schwachmatiker“ vor sich haben.

Das Glas muss erst gar nicht nahe an die Nase geführt werden um diesen dichten, vielschichtigen Aromagarten wahrzunehmen. Aber man will’s ja schließlich ganz genau wissen, zumindest solche Neugierdsnasen wie ich. Es wird voluminös, aber nicht klebrig breit. Hopfig-grapefruitfruchtig und malzig-zitrusfruchtig, so präsentiert sich der erste Aromenschwall in der Nase. Die Hopfennoten dominieren ein wenig, was dem Geruchsbild eine Art von eleganter Dekadenz verleiht. Insgesamt ein kräftiges, sehr harmonisches und vorallem animierendes Geruchsbild.

Am Gaumen dominiert anfangs cremiges Karamell, das aber sofort mit Aromen von Pomelos, Kiefern und Pinien zu einer kompakten Einheit verschmilzt. Alles gut integriert in passende Hopfenbittere, abgerundet mit kräftigen Malznoten. Ein äußerst dezenter Hauch von Rosmarin rundet dieses Gaumenspiel ab. Der Nachklang, füllig und gut strukturiert mit angenehmer Fruchtigkeit, überzeugt mit seiner Ausgewogenheit und animiert zum nächsten Schluck.

Hinterlistig ist er auch noch, der Affenkönig
Auf gut Österreichisch hat man da schon ein g’scheits Maul voll Würze im Goscherl. Die Nase erinnert sich während dessen noch immer an einen Waldspaziergang und das Hirn fragt sich wo denn der Alkoholgehalt geblieben sein könnte, denn davon merkt man nicht all zu viel.

Vorsicht, der Affenkönig ist ein ganz ein Hinterlistiger! Die 8,2% vol. Alkoholgehalt sind derart gut eingebunden, dass er nicht sofort seine Wirkung zeigt. Wer dieses stimmige Malz-Hopfen Bomberl zweckentfremdet und zum Durstlöscher macht, wird am nächsten Tag seinen Schädel zur Turnhalle für den Affenkönig samt untertänigem Gefolge machen.

Toll komponiert, Hommage gelungen
Kugler ist für mich so etwas wie ein Bierkomponist. Mit diesem Imperial Indian Pale Ale hat er einmal mehr bewiesen wie gut er es versteht mit Hopfen und Malz zu hantieren und stimmige Geschmäcker zu komponieren. Die Aromenvielfalt verschmilzt in sich, nichts zwickt oder kratzt! Kraftvoll, würzig und harmonisch rund, fast schon zu rund für diesen Bierstil, aber wirklich nur fast.

Fazit
Eine g’schmackig würzige Harmonie mit 70 IBU und 8,2% vol. Alkohol,  royal imperialem Auftritt, affenartig geiler Aufmachung und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Bestens geeignet als Speisenbegleiter oder auch als Feierabend Belohnung, aber eher nicht als Durstlöscher.

Text und Bild: Andy Bigler

3 comments on “Bierecke. Affenkönig.

  1. Schöner Beitrag, hatte das Bier schon mehrfach und es liegt sogar unten im kühlschrank.

    Ich finde das Bier was seine Klasse angeht leider nur gut , aber das ist ja vollkommen okay und vor allem erlaubt. 😉

    Im Antrunk kam es mir für ein IIPA relativ flach herüber, es gab zwar einen Anflug von Früchten, und der typischen Hopfen, doch dann wurde es mir schnell zu wenig, vielleicht sogar etwas trocken.

    Im Nachtrunk ein deutliches Malzbett aber kaum noch Spuren von der Fruchtnote. Den Alkoholgehalt schmeckt man wirklich kaum heraus, das ist gut gelungen. Schön versteckt im Körper.

    Unterm Strich hatte ich etwas mehr erwartet, in meinen Augen ist der Affenkönig eher zurückhaltend wenn auch nicht naiv . Auch im Vergleich zur seiner Konkurrenz aus der Stadt. 😉 😉
    Für dezente IPA und IIPA Fans finde ich dieses Bier sehr gelungen, eine wirkliche Hopfenbombe wird in meinen Augen allerdings anders gebraut.

    Gut Sud wünscht der Hopfenhirte !

    • Mir gefällt genau diese „Einsteiger Stilistik“, Steigerungen gibt’s ja genügend und auch für Weinfreunde ist der Affenkönig ein guter Einstieg in die IIPA-Welt, sag ich mal aus Konsumenten Sichtweise 🍻

    • Das würde ich genauso unterschreiben 🙂
      Für meinen Gaumen eher gemäßigt 🙂

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