Ich lade gern mir Gäste ein

Backhendel, Bibi Stift, EssenDieser Satz aus der „Fledermaus“ bringt das Thema Lebensfreude auf den Punkt. Allein essen ist fad. Es ist trostlos und dient nur dem Zweck, seinen Hunger zu stillen. Ich habe zwar auch schon für mich allein den Tisch gedeckt, eine Kerze angezündet und das Weinglas rechts oben hingestellt. Aber es hat mir eigentlich nicht recht geschmeckt, einsam an einem großen Eichentisch zu sitzen und wortlos mein wahrscheinlich aufgewärmtes Abendessen nur im Beisein der Wanduhr zu verputzen.

Am schönsten ist es immer noch, wenn die ganze Familie samt Freunden sich einfindet, um gemeinsam am Wochenende der Kunst des Geniessens zu frönen. Etliche Telefonate mit Familienmitgliedern werden dazu geführt, weil der oder die gerade kein Fleisch, keinen Fisch oder (aus mir unverständlichen Gründen) keinen Alkohol konsumiert, Einkaufszettel werden geschrieben und wie immer wird viel zu viel eingekauft. Was aber nicht immer ein Fehler ist. Das letzte Wochenende war wieder einmal bezeichnend: 5 waren geladen – 7 sind gekommen.

Weisst du,“ hieß es, “ wir haben erzählt, dass es immer so gut ist bei dir. Es macht doch nichts, oder?

Natürlich macht es nichts. In meiner Küche bin ich in meinem Element – während die Gästeschar noch am Aperitif nippt (Prosecco mit Preiselbeeren und Minze), bereite ich die Vorspeise: mit Speck umwickelte Ziegenkäseröllchen auf Endivienblättern, sanft geschwenkt in Balsamico. Die Familie schweigt während des Essens – das ist ein gutes Zeichen.

Sie stressen mich nicht. Nach der Vorspeise wird ein vorzüglicher Weissburgunder geöffnet und weil ich Tante Helga schon sehr lange nicht mehr gesehen habe, muss das Backhuhn noch warten. Ich dulde nicht, dass Familienmitglieder mir ihre Hilfe aufdrängen. Vor allem, weil ich weiß, dass sie normalerweise die Uni besuchen und außer Mensazeugs und Fastfood nichts Anständiges zu sich nehmen. Weil die Jungen langsam unruhig werden, trenne ich mich aber schweren Herzens von meinem Weinglas und Tante Helga und beginne damit, das Sulmtaler Hendl, das ich wohlweislich schon vorher paniert habe, herauszubacken. Bei der Panier scheiden sich die Geister. Ich mache es wie meine Mutter. Glattes Mehl, zerschlagene Eier mit einem Spritzer Mineralwasser – das gibt eine knusprige Hülle – und selbst geriebene Semmelbrösel. Dazu reiche ich Reis und gebackene frische Petersilie. Die Augen meiner Gäste werden kugelrund.
1.weil sie sich freuen und 2. weil man das sonst nirgends mehr bekommt.

Petersilienblätter werden, so trocken wie möglich, kurz ins heiße Fett geworfen und sobald sie beginnen, sich zu kringeln, angerichtet. Sie schmecken leicht bitter und passen hervorragend zum Backhuhn. Und weil wir alle die „Bügeln“ am liebsten haben, habe ich am Bauernmarkt 6 Beine extra erstanden – um familiären Streitigkeiten schon im Vorfeld aus dem Weg zu gehen.

Nun wird gegessen, geredet, getrunken. Stimmengewirr und Lachen erfüllt den Raum – eine weitere Flasche wird geöffnet.
Alles ist gut„, denk ich mir, während Tante Helga sich ein drittes Hühnerbein schnappt, die Jugend schwört, in Zukunft den Schachtelwirt zu meiden und der Göttergatte sich anbietet, den Nachtisch zu servieren.

Irgendwann, wenn die letzten Reste des Himbeertiramisus verdrückt sind, leere Weinflaschen auf dem Tisch stehen und der Diskussionspegel einen Deut lauter geworden ist, werde ich angesichts der chaotischen Küche mit Zufriedenheit und Freude denken:

Morgen ist auch noch ein Tag!

Text: Bibi Stift

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