Supermarkt heute. Oder: Aus dem Putzkübel essen.

SupermarktWissen Sie genau, was Sie essen? Wie ist das für Sie, lieber Leser, wenn Sie bei einem der großen Supermärkte einkaufen? Wissen Sie, wie die Ware behandelt wird? Und würde es für Sie einen Unterschied machen?

Ich für meinen Teil sage, ja, es macht für mich durchaus einen Unterschied. Ich möchte gerne sehen, dass die Lebensmittel, die ich esse, mit Bedacht behandelt werden. Und ganz abgesehen davon, würde ich es gerne vermeiden aus dem Putzkübel zu essen. Denn was mir immer wieder passiert, und in den letzten Tagen schon wieder, ist, dass ich bei einer der großen Supermarktketten – so mancher schreibt sich tendenziell den Begriff Feinkostladen auf die gelb-rote Fahne – einkaufe und dabei feststellen muss, dass zwischen Putzen hier und Verkaufen dort nur wenige Zentimeter liegen.

Folgendes geschieht. Ich komme mit meinem Einkaufswagen nachdenklich in Richtung Feinkost – oder genauer: Wurst- und Käseschnittwaren – angerollt. Nach aktuellen Angeboten suchend, lasse ich mich vom Gesehenen inspirieren, warte geduldig bis ich an der Reihe bin und beobachte einstweilen interessiert das Geschehen. Und ich sehe, was ich sehe. Eine Mitarbeiterin putzt geflissentlich die Theke, den Boden und die Geräte. Intensiv hantiert sie mit Putzkübel, mit Putzschwamm, mit Besen, Wasser und Chemikalien. Man bereitet sich offensichtlich bereits auf den Feierabend vor, es soll alles blitzen und blinken, sauber sein bis zur Keimfreiheit. Löblich, keine Frage. Der einzige, der in diesem fast schon meditativen Szenario stört, ist, wie so oft, der Kunde. Von ihrem fleißig hantierenden Kollegen mit einem gequälten Lächeln um Hilfe gebeten, stürmt sie herzu um die bereits in der Schlange wartenden Kunden nach ihren Wünsche zu befragen. Und sie ist auch gleich fröhlich mittendrin, würzig duftende Wurst zu schneiden, appetitlich aussehenden Schinken in Lagen aufzubreiten, Preise einzutippen, herzhaft Käse abzuwiegen, hier ein Blättchen wieder weg weil zuviel, hier ein Blättchen dazu, es soll ja fürs Wochenende für die ganze Familie reichen. Ach, Sie hätten gerne etwas mehr? Nein, der Aktionsschinken ist aus, ich gebe Ihnen diesen hier zu kosten. Sprach’s und reicht ein Blättchen herüber. Mehr oder weniger freundlich.

Fleißig, wahrhaft beflissen, könnte man sagen. Leider hat es die Dame im Eifer ihres Gefechts verabsäumt, die Putzhandschuhe auszuziehen, oder besser, mit neuen Handschuhen zu tauschen. Und so haftet dem so herzhaft ausgegebenen Käse noch der Duft des Desinfektionsmittels an und dem appetitlich aufgelegten Schinken das würzige Aroma des en Gros eingekauften Putzmittels. Bei diesen Aussichten schleicht sich ein leichtes Unwohlsein in meinen noch undesinfizierten Magen und er beginnt sich bereits ansatzweise zu drehen. Nein danke, sage ich höflich zu den noch feuchten Putzhandschuhen, ich habe gerade keine Lust. Überhaupt brauche ich keine Wurst fürs Wochenende, und auch keinen Käse. Im Grunde möchte ich gar nichts kaufen. Wenn Lebensmittel zur bloßen Ware verkommen, fällt meine Lust darauf ins Bodenlose.

Und, liebe Lebensmittel-Supermarkt-Manager, das ist kein Einzelfall. Es ist oft genug zu sehen, hier in Wien. Und ich kann mir so schwer vorstellen, dass es nicht bekannt ist. Was allerdings ein mittleres Drama wäre, denn dann würde dieser Zustand ja quasi billigend in Kauf genommen. Aber ich glaube, das will ich gar nicht wissen …

Mahlzeit einstweilen.

Text: Klösch
Bild: totalpics / 123RF Stock Photo

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