Andy Bigler. Über den jungen Wein.

Andy Bigler und die Frage.Die Weinwirtschaft hat sich in den letzten 20 Jahren interessant weiterentwickelt. Moderne Technologien und der allgemeine Grundgedanke der Nachhaltigkeit haben sich weitgehend positiv ausgewirkt. Die meisten Weingärten werden kontinuierlich und schonend gepflegt und in fast jedem heimischen Weinkeller ist absolute Sauberkeit eingekehrt. Die meisten Winzer haben erkannt, dass dies die Grundlagen für gute Weinqualitäten sind.

Modernste Technik, der professionelle Umgang mit ihr und das Bewusstsein, dass Qualität und nicht Quantität gefragt ist, macht es zwar nicht unmöglich fehlerhafte Weine zu produzieren, aber „echte“ Weinfehler kommen bei Verkostungen wesentlich seltener ins Glas als noch vor 10 bis 12 Jahren. Das kann sich doch nur positiv auswirken? Dem kann ich nicht zu hundert Prozent zustimmen, denn die Entwicklung, dass die meisten klassisch ausgebauten Weine bereits Ende Februar, Anfang März auf Flaschen gefüllt werden und kurz darauf im Handel erhältlich sind, ist dem Geschmacksbild und der Typizität der jeweiligen Sorten meist nicht dienlich. Viele Weine wirken „uniformiert„. Uniformiert deshalb, weil Sortentypizität und das so oft zitierte Terroir nicht in Erscheinung treten und verschiedene Weine eines Betriebs mehr oder weniger gleich schmecken. Teilweise stehen „drops-ähnliche“ Aromen (Gletschereiszuckerl) und hefige Gerüche im Vordergrund, vermengt mit grasigen Noten und kohlesäurelastigen Zitrustönen. Am Gaumen ist angeblich das Jugendliche deutlich merkbar. Ich erlaube mir zu behaupten, hier handle es sich sowohl beim Geruch als auch beim Geschmack um fehlende Reife. Einfach viel zu früh gefüllt!

Mit dieser Meinung will ich keinesfalls Kritik an der Arbeit unserer Winzer üben. Denn diese folgen mit ihrer „klassischen Linie“ nur den Wünschen der Konsumenten. Diese orientieren sich an unseren Informationen und es ist logisch und auch verständlich, dass kein Magazin Kostnotizen veröffentlicht, die Aussagen wie „uniformiert“ und „unreif“ enthalten. Nun gut, man ließt dann von Weinen, die aufgrund ihrer Jugend eben noch ein wenig „verschlossen“ sind und über reichlich „Entwicklungspotential“ verfügen, mit bereits erkennbarem Sortencharakter, der spielerisch, elegant über unsere Gaumen gleitet. Ooder so ähnlich …

Liebe Weintrinker, in diesem Sinne: Mögen Sie niemals Wein im Glas haben, der Ihnen nicht mundet.

Text: Andy Bigler
Bild: Bigler

One comment on “Andy Bigler. Über den jungen Wein.

  1. Gottfried on said:

    ja, das stimmt schon,
    doch finde ich sollte dann auch mal ein Verkoster den Mumm haben Kostnotizen zu veröffenlichen wo auch „uniformiert“ und „unreif“ drinnen stehen kann/soll/darf & sogar muss..

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