Ich hätte da mal eine Frage

Andy Bigler und die Frage.

In den letzten Wochen besuchte ich aus beruflichen Gründen mehrere kulinarische Veranstaltungen, da war die eine oder andere Frage quasi vorprogrammiert, wenn diese auch nicht immer so ganz einfach zu beantworten sind.

Eine der am häufigsten gestellten Fragen ist: „Ich hätte da mal eine Frage. Welcher Wein ist denn der beste?“
Ich könnte diese Frage mit einer Gegenfrage beantworten um die möglichen Antworten etwas einzugrenzen, was ich aber nicht mache, im Gegenteil, ich antworte oft folgendes: „Für den Produzenten und den Händler ist immer der verkaufte Wein der beste und für Sie persönlich kann es nur jener sein, der Ihnen am besten schmeckt.“

Diese Antwort mag auf den ersten Blick etwas überheblich klingen. So ist sie aber gar nicht gemeint, denn genau betrachtet ist es schon so, dass für Winzer und Händler – wirtschaftlich –  nur die verkauften (und auch bezahlten) Produkte die besten sind. Darüber hinaus könnte ich dem Fragesteller niemals eine ehrliche Empfehlung geben, was denn sein besten Wein wäre. Denn da geht es in erster Linie doch um sein persönliches Geschmacksempfinden und seine bereits eingeprägten Geschmacksmuster. Weil ich die aber nicht kenne, beginne ich sie zu allererst zu erfragen – und dann erst erlaube ich mir ein paar Empfehlungen abzugeben. Empfehlungen die passen könnten oder auch nicht und ich weise auch ausdrücklich darauf hin, dass nur die persönliche Verkostung ein eindeutiges Ergebnis bringen wird.
Und das führt dann auch gleich zur nächsten, sehr häufig gestellten Frage: „Welcher Wein hat, oder welche Weine haben Ihnen am besten geschmeckt?“

Darauf eine Antwort zu geben, die kein verständnisloses Kopfschütteln hervorruft, ist nicht ganz so einfach, denn als Verkoster, bin ich stets bestrebt meine persönlichen Geschmacksvorlieben außer Acht zu lassen. Ich gehe rein analytisch vor, nach den Kriterien ob ein Produkt dem Sorten- und Gebietscharakter entspricht und ob das, was die Art des Ausbaus verspricht, auch gehalten wird. So kann ich dann Weinempfehlungen abgeben, ohne diese durch meine persönlichen Vorlieben zu beeinflussen. Antworten wie, „probieren Sie diesen oder jenen Wein, der ist sortentypisch und klassisch ehrlich, mit viel Charme und Charakter“ sind dann wertfrei. Würde ich diese Frage nach den Empfindungsergebnissen meines persönlichen Geschmacksmusters beantworten, dann wären das oftmals sehr subjektive, aber möglicherweise nicht allzu hilfreiche Antworten.
Eine ebenfalls immer wiederkehrende Frage ist: „Wie finde ich den passenden Wein zu einem bestimmten Gericht, der allen Gästen schmeckt?“

Und zur letzten Frage eine Antwort zu finden ist sehr schwierig bis fast nicht möglich. So gelangen wir hiermit wieder zum Anfang zurück, „Am besten passt, was Ihnen persönlich schmeckt – sei es als Solist oder als Speisenbegleiter – aber nicht unbedingt, was empfohlen wird, denn das ist wohl immer eine Art Mittelwert, der eben auch nicht immer hundert prozentig dem persönlichen Geschmack entspricht.“

Mein Fazit? Empfehlungen einholen ist gut. Aber selber kosten, sich seine eigene Meinung bilden und eventuell Nein sagen, ist noch besser, denn Sie sollen ihre ehrlichen, persönlichen Genussfreuden erleben dürfen. Ohne „fachlicher Beeinflussung“.

Text: Andy Big­ler
Bild: Bigler

 

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