Andere Länder, andere Sitten. Heute: Uruguay.

Grillen. Die gemütliche kleine Sünde des Österreichers.Jedes Land hat seine ganz besonderen Sitten, Traditionen und auch Eigenheiten in jeder Situation des Lebens. Geschichtliche, kulturelle und religiöse Gegebenheiten und jene, die durch die Umwelt und Natur jedes Landes entstehen, bringen uns eine Multikulturalität und Diversität, die sich über den gesamten Erdball erstreckt. Diese Unterschiede manchen natürlich auch vor kulinarischen Genüssen keinen Halt und so kommt es, dass sich in jedem Land ein oder mehrere Nationalgerichte finden, die die Essgewohnheiten und die naturgegebenen Möglichkeiten der jeweiligen Länder widerspiegeln. Nicht alle Gerichte sind jedoch so „normal“ wie unser Schnitzel, sondern in unseren Augen wohl ganz schön skurril und teilweise auch eher ungenießbar für unsere verwöhnten Mägen.

In der Reihe »Andere Länder, andere Sitten« wollen wir unseren Lesern die ungewöhnlichsten Nationalgerichte vorstellen, angefangen mit jenem des südamerikanischen Staates Uruguay.

»Asado«, oder auf deutsch übersetzt »geröstet« oder »Grillmahlzeit«, ist eigentlich nicht mehr als gegrilltes Rind- bzw. Kalbfleisch. Es wird seit ca. 100 Jahren als DAS uruguayische Nationalgericht angesehen, obwohl es nicht unbedingt landesspezifisch ist, sondern vielmehr in der gesamten Río-de-la-Plata-Region gegessen wird. Dieses Gericht soll im 18. und 19. Jahrhundert zu Zeiten der Gauchos entstanden sein, die ihr Leben als Viehhirten natürlich zu großen Teilen unter freiem Himmel, in der Pampa fristeten. Hatten sie dort zwar nicht viele Möglichkeiten, ein Mahl zu bereiten, gab es doch immerhin jede Menge Platz und Material für ein Lagerfeuer und mehr als genug Fleisch – und voilà das Grillen war geboren. Von den argentinischen Gauchos soll daher auch das Sprichwort »Cada bicho que camina va a parar al asador«, das übersetzt soviel wie »Jedes Tier, das läuft, wird auf dem Grill enden« übersetzen lässt.

Die Abwandlung dieses Gerichts, die allerdings den Titel »skurriles Nationalgericht« verdient, ist unter dem Namen »Asado con cuero« bekannt. Die Besonderheit daran ist die Art das Fleisch zu grillen. Hier wird das Rind, ob jung oder alt, nämlich buchstäblich im Ganzen gegrillt. Möglicherweise lag es am großen Hunger der Gauchos nach langen Ritten und dem damit einergehenden Unwillen, sich lange mit der Vorbereitung des Fleisches auseinanderzusetzen oder ist aus anderen Gründen entstanden, auf jeden Fall kommt hier das Fleisch geschnitten oder gleich als ganzes aufgeschnittenes Rindvieh samt Haut und Fell auf den Grill. Nicht wie bei uns direkt über den Flammen, wird in Uruguay das Asado con cuero nur neben dem Feuer im indirekten Moment der Wärme gegart, so wird das Fell nicht angesengt und verbreitet auch nicht den unangenehmen Geruch nach verbrannten Haaren, den sicherlich jeder von uns schon einmal unfreiwillig in die Nase bekommen hat. Das Kalbfleisch wird vor dem Grillen im noch warmen Zustand mit einer traditionellen Gewürzmischung aus beispielsweise Knoblauch, Oregano und Chili mariniert und anschließend über Nacht stehen gelassen, so kann die Marinade gut einziehen und das Fleisch kühlt aus. Mit traditionellem Gebirgsholz, das dem Fleisch noch zusätzlich einen ganz besonderen Geschmack verleihen soll, wird es von beiden Seiten insgesamt etwa sieben Stunden, je nach Fleischvolumen, gegrillt, jedoch erst durch die Seite, auf der noch Haut und Fell sind, erhält es sein ganz spezielles Aroma. Ein Plus bei dieser Grillart ist auf jeden Fall die natürliche Isolierschicht, die Haut, die darunter gelagerte Fettschicht und Fell bilden. Sie verhindern das Austrocknen des Fleisches und lassen es zart und saftig bleiben.

Gut möglich, dass ein wenig Überwindung benötigt wird, ein Stück Fleisch zu essen, dass noch halb nach dem Tier aussieht, das es vorher einmal war – bestimmt jedoch nicht annähernd so viel Überwindung, wie für manch andere Nationalgerichte, die in dieser Reihe noch vorgestellt werden. Also sollte Sie in Uruguay unterwegs sein, probieren Sie das Nationalgericht »Asado con cuero« und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!

Text: Marion Pertschy
Bild: 123rf.com

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