Andere Länder, andere Sitten. Heute: Schweden (Teil 2)

Hering, FischWie bereits angekündigt begeben wir uns heute noch ein weiteres mal auf die Spuren des nordischen Königreichs Schweden. Neben einer ausgeprägten Landschaft, Temperaturen, die sich wesentlich öfter als in unseren Breitengraden unter dem Nullpunkt bewegen und haufenweise Rentieren, die wir hier bei uns nur aus dem Fernsehen oder dem Zoo kennen, darf Schweden also (siehe Teil 1) ein Nationalgericht mit dem besonders schmackhaften Namen Blutpudding sein Eigen nennen.

Allerdings hat dieses Land noch einiges mehr an Skurilitäten zu bieten, ein zweites Nationalgericht namens Surströmming etwa. Sie sind bestimmt schon gespannt, was sich hinter diesem ausgefallenen Namen wohl verbergen mag, wie es aus den nordischen Gefilden allerdings nicht anders zu vermuten war, handelt es sich dabei um Fisch. Es wäre schon verwunderlich gewesen, hätte nicht zumindest eines der Nationalgerichte Schwedens etwas mit den Bewohnern des feuchten Nass’, das den Süden des Landes rahmt, zu tun gehabt. Denkt man an Fischgerichte, kommen einem beispielsweise sofort die delikaten Filetstücke, die mit den ausgefallensten Köstlichkeiten serviert werden, in den Sinn. Nach dem letzten schwedischen Nationalgericht bleibt der Gedanke jedoch nicht fern, dass Surströmming wohl nichts vergleichbares ist.

Diese Schweden sind schon ein ganz besonders eigenes Völkchen. Vor den Toren eröffnet sich ihnen die Ostsee, ein Meer in dem es sich mit Sicherheit jede Menge frischen Fisch fangen lässt und sie lagern ihn nach alter Tradition monatelang in Salzlake, als wären sie in Sorge, die Quelle könne versiegen. Bei dem Nationalgericht Surströmming handelt es sich nämlich im wahrsten Sinne des Wortes um vergammelten Fisch. Auf Deutsch heißt der Name soviel wie „saurer Hering“ und wird aus ausgewachsenen Ostseeheringen hergestellt. Früher galt er bei dem Bauern als Alltagsnahrung und wurde oft als Proviant mitgenommen, heute wird Surströmming von jedermann als Delikatesse bezeichnet. Der Fisch wird nach dem Fangen (im Mai) gereinigt und in einer Salzlake in offenen Behältern gelagert. Durch Enzyme und Bakterien fermentiert er und reift so acht Wochen vor sich hin. Bei diesem Vorgang bilden sich Säuren wie Propansäure, Buttersäure, Essigsäure und auch Schwefelwasserstoff, der dem Surströmming seinen sagenumwobenen Gestank verleiht. Ist die Gärung in jenen Behältern abgeschlossen, wird der bereits vergammelte Hering in Konservendosen zur Nachgärung umgefüllt und verweilt dort bis zu seinem Verzehr im August. Die Milchsäure im Fisch tötet die Fäulnisgifte ab und er kann somit gefahrlos gegessen werden.

Beim Öffnen der Dose, das allerdings aufgrund des Drucks, der bei der Nachgärung entsteht, nicht ganz einfach ist (im Internet finden sich jedoch einige Anleitungen, damit Sie, sollten sie die Delikatesse wirklich probieren wollen, auch im Nachhinein noch weiterhin in Ihrem Haus wohnen können), sollte der Fisch unbedingt eine rosa Farbe haben. Ist er grau, sollte er lieber entsorgt werden. Verzehrt werden kann der Gammelfisch auf unterschiedlich Weise, eine traditionelle Möglichkeit ist etwa es Wrap-artig in einem Fladenbrot namens „Tunnbröd“ bestrichen mit sauerer Sahne („Gräddfil“) und verfeinert mit gehackten roten Zwiebeln einzurollen.

Zum Abschluss gibt es hier noch einige Fun-Facts zum schwedischen Surströmming:

  • Verkauft wird das Surströmming immer nur ganz kurz und zwar jährlich immer ab dem dritten Donnerstag im August.
  • In schwedischen Restaurants muss das Surströmming aufgrund seines penetranten Fäulnisgeruchs abseits der anderen Gäste gegessen werden…das allein sagt doch schon einiges.
  • Weihnachten 1981 verspritzten in Deutschland Mieter im Treppenhaus und im Garten des Wohnhauses den Sud des Surströmming. „Die übelriechende Fischpökelbrühe „Surströmming“ war Anlass die Mieter fristlos zu kündigen. Das Landgericht Köln bestätigte die Kündigung, nachdem in der mündlichen Verhandlung eine Dose Surströmming geöffnet wurde. (LG Köln v. 12. Januar 1984 – 1 S 171/83, WuM 1984, Seite 55)
  • Wegen der Sorge vor Explosionsgefahr ist auf Flügen von British Airways und Air France der Transport der Surströmmingdosen ausdrücklich verboten.

Text: Marion Pertschy
Bild: Pixabay

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