Andere Länder, andere Sitten. Heute: Schweden (1)

Schwein, Lebensmittel mit GenussDie Suche nach den skurrilsten Nationalgerichten rund um den Erdball, im Zuge der Artikel-Reihe „Andere Länder, andere Sitten“, führt uns diese Woche nach Schweden.

Das nordeuropäische Königreich umfasst den östlichen Teil der skandinavischen Halbinsel und ist dank der Lage somit mit einer Fülle an Fischen gesegnet, die sich, wie nicht anders zu erwarten, auch in der schwedischen Küche bemerkbar macht. Jedoch steht hier nicht nur Fisch auf dem Speiseplan, auch Wild vom Rentier oder Elch, die sich hier beide im kalten Klima zu großen Zahlen heimisch fühlen, und eher ländlicher Hausmannskost sind typisch. In Schweden sind gleich zwei etwas gewöhnungsbedürftige Nationalgerichte zuhause, die wie so oft, die länder- und umgebungsspezifischen Eigenheiten und Essgewohnheiten des Halbinselstaates widerspiegeln.

Das Nationalgericht, dem der appetitliche Name „Blutpudding“ gegeben wurde, macht ihm alle Ehre. Wie das auch bei manch anderen Gerichten der Fall ist – etwa dem „Verkehrten Spiegelei“, das nicht im Geringsten etwas mit einem Ei zu tun hat, sondern vielmehr eine Süßspeise ist, die dank ihrem hellen Teig und einer gestürzten Pfirsichhälfte obenauf, das Aussehen eines Spiegeleis hat – ist der Name dieser Speise diesmal keine Anspielung auf das Aussehen, sondern bezieht sich in der Tat auf die Hauptzutat. Blutpudding bezeichnet ein Gericht aus gebackenem Blut, das vor allem in der Winterzeit gegessen wird.

Für die Zubereitung wird frisches Blut, traditionell Schweineblut von Bauernhöfen, verwendet. Seit jeher schon werden hierzulande grundsätzlich alle Schlachtprodukte verwertet, so auch das Blut. Dem salzig-süßen Nationalgericht geben Zimt, Majoran, Apfelmus bzw. säuerliche Äpfel und Sirup einen weihnachtlich-süßlichen Geschmack, (Roggen-)Mehl und Milch sorgen für die gewünschte Konsistenz und gewürfelter Speck, helles schwedisches Bier, Zwiebel und einige andere Gewürze verleihen ihm das gewisse Etwas, zumindest wenn man die schwedische Bevölkerung fragt. Alle Zutaten werden vermengt und in einer Auflauf-/Kuchenform im Ofen mindestens eine Stunde in einem Wasserbad bei 80°C gedämpft, bei höheren Temperaturen könnte das Blut gerinnen. Da die Hitze den roten Blutfarbstoff Hämoglobin zerstört, hat der Blutpudding nachdem er aus dem Rohr kommt lange nicht mehr die Farbe von Blut, sondern ähnelt mit seiner schwarzen Farbe und der Konsistenz eher einem ein wenig sitzen gebliebenen Schokolade-Kuchen.

Damit ist er jedoch noch nicht fertig. Nachdem der Blutpudding abgekühlt ist, wird er gestürzt, in Scheiben geschnitten und in Butter angebraten. Serviert wird er schlussendlich je nach Geschmack mit Preiselbeermarmelade, Knäckebrot, geriebenen Karotten und einem Glas Milch. Wenn nun mancher Leser der Meinung ist, dieses Gericht käme ihm bekannt vor, hat er Recht. In Österreich werden in verschiedenen Gegenden als traditionelle Schlachttagsspeise ähnliche Gerichte serviert. Das Blut, dass hier nicht sein Ende in der Blutwurst findet, wird in der Steiermark zu einem sogenannten Bluttommerl, im Burgenland zu Blutnigl und anderorts zu Blutsterz verarbeitet. All diese Namen bezeichnen im Prinzip das gleiche Gericht, das aus der Not heraus entstand, dass es in früheren Zeiten keine Möglichkeit gab Blut haltbar zu machen.

Abgesehen von einigen Zutaten besteht der Unterschied zum Blutpudding im Gar-Vorgang. Unsere österreichische Variante wird nämlich im Rohr knusprig gebacken. Neben dem Blutpudding zählt auch das „Surströmming“ zu den schwedischen Nationalgerichten. Was das ist erfahren Sie demnächst hier in dieser Reihe. Eines sei jedoch verraten,:Blutpudding dürfte wohl das schmackhaftere der beiden Nationalgerichte sein.

Text: Marion Pertschy
Bild: 123rf.com

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