Alleskönner Kokosöl?

Kokosöl und was es alles kannDas Internet ist momentan voll von Gesundheitstipps die alle um bestimmte Früchte, Gemüsesorten oder Gewürze kreisen. Seien es Avocados als gesunde Abnehmhilfe, die noch dazu den Cholesterinspiegel verbessern, sogenannte „Infused Water“, Soda dem Früchte, Kräuter oder Gemüse beigefügt wird und die so eine echte Detox- und Abnehmwunderwaffe werden sollen, oder gemahlener Zimt, der angeblich den Blutzuckerspiegel senkt und damit gleichzeitig die Fettverbrennung ankurbelt – es gibt zur Zeit kaum ein minder schweres Schönheits- oder Gesundheitsproblem, dem nicht auf vegane Weise Abhilfe geschafft werden könnte.

Ein weiteres dieser Allround-Talente ist die Kokosnuss. Der Sanskrit-Ausdruck „Kalpa Vriksha“ heißt so viel wie „Der Baum, der einem alles gibt“ und wird in Indien mit der Kokospalme identifieziert, da jeder ihrer Teile in irgendeiner Weise nutzbar ist. Auch unter den vielgerühmten Bloggern und Instagramern hat sich die Kokosnuss bereits einen Namen als Alleskönner in Küche und Körperpflege gemacht. Sie soll nicht nur eine einzigartige Ergänzung zu einer ausgewogenen Ernährung sein, sondern auch beim Abnehmen helfen und jeden, der ihr die Chance gibt, quasi wie durch Zauberhand rund um schön machen. Aber was ist eigentlich dran an den Gerüchten und Lobliedern? Sollten wir uns alle schleunigst einen Tiegel Kokosöl besorgen, oder sind das alles nur leere Versprechungen?

Kokosnussöl wird durch das Pressen des getrockneten Fruchtfleisches der Kokosnuss gewonnen. Es besteht zu über 90% aus gesättigten Fettsäuren, wobei den größten Teil, mit rund 65% davon, die kalorienärmeren und leichter verdaulichen mittelkettigen Fettsäuren (MCT) ausmachen. Eine solche, in Kokosöl enthaltene, Fettsäure stellt beispielsweise die Laurinsäure dar, die zur Energiegewinnung genutzt wird und der eine ausgezeichnete Wirkung gegen Viren und Bakterien nachgesagt wird. Studien zur Folge erhöht sie noch zusätzlich die geistige Leistungsfähigkeit und senkt den Cholesterienspiegel. Für die Ureinwohner tropischer Länder ist das Kokosöl bereits seit langer Zeit ein Grundnahrungsmittel und somit fester Bestandteil ihrer Ernährung. In den 1980ern stellten Wissenschaftler bei Untersuchungen an Polynesiern eine positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem fest und auch in der indischen Kunst der Ayurveda wird es traditionell aufgrund seiner antimikrobiellen Wirkung nicht nur als Nahrungsmittel, sondern ebenfalls zur Bekämpfung von Hautkrankheiten verwendet.

In der Küche passt Kokosöl durch seinen leicht exotischen Geschmack perfekt zu asiatischen Speisen, kann jedoch gut und gerne auch für jede andere Speise verwendet werden. Besonders bei hohen Temperaturen wie etwa beim Braten oder Frittieren ist Kokosöl geeignet, da es über einen besonders hohen Rauchpunkt von 234°C verfügt und somit erst sehr viel später als andere Fette beim Verbrennen die gefährlichen Transfette entwickelt. Beim Verzehr soll Kokosöl immerhin ein wenig kalrienärmer sein als andere Fette und es schaffen den Stoffwechsels und den Fettabbau anzukurbeln. Beim Kauf ist es jedoch wichtig auf die entsprechende Qualität zu achten. Kokosöl ist nämlich nicht gleich Kokosöl. Nur aus biologischem Anbau, ungebleicht, ungehärtet, nicht raffiniert oder desodoriert ist es das gesunde Erzeugnis, von dem wir hier sprechen und kann auch als Energiekick in Smoothies oder Fruchtsäften konsumiert werden. Wie bei den meisten Nahrungsmitteln, weisen Ernährungsexperten jedoch auch bei Kokosöl darauf hin, es nur in Maßen zu genießen, da es aufgrund der großen Menge an gesättigten Fettsäuren bei einem Überkonsum zu Fettstoffwechselstörungen kommen kann – und beim Abnehmen hilft es auch nur dann, wenn andere, schlechtere Fette dadurch ersetzt werden – also bitte nicht Löffelweise Kokosöl „genießen“!

Als Off-Topic kann hier noch ein kleiner Plus-Punkt hinzugefügt werden. Wie bereits kurz erwähnt, entwickelt Kokosöl nicht nur in der Küche, sondern auch in der Kosmetik und Körperpflege wahre Wunderkräfte. Im rohen Zustand kann es als Haarpflege oder Haarkur zu gesundem, samtig weichem Haar verhelfen und trockene oder empfindliche Haut beruhigen – sogar eine hautstraffende Wirkung wird ihm zugeschrieben. Auch im Gesicht darf Kokosöl gerne angewendet werden, da es nicht nur gesprungene Lippen repariert, sondern auch ein biologisches, reizfreies Mittel gegen Hautunreinheiten oder Hautkrankheiten ist und das Hautbild langanhaltend verbessert. Wenn sich die Männerwelt hier nicht angesprochen fühlen sollte, hier ein Tipp für sie: Kokosöl soll hervorragend nach der Rasur verwendet werden können. Vermengt mit anderen Zutaten lassen sich jedoch noch diverse andere Pflegeprodukte wie Deodorants, Zahnpasten oder Sonnen- und Gelsenschutz herstellen.

Sie sehen, Kokosöl kann als wahres Wunder der Natur bezeichnet werden. Ob in der Küche oder im Bad, einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!

Text & Bild: Marion Pertschy

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