130 Jahre Österreichischer Weinbauverband

Unter den Gratulanten reihte sich Bundesminister Andrä Rupprechter ein. Der Landwirtschaftsminister lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Bundesweinbauverband und den Länderorganisationen. „Krisen hat es im österreichischen Weinbau viele gegeben. Gerade aus einer der größten Krise, dem Weinskandal, seid ihr aber gestärkt hervorgegangen“, so Rupprechter. Franz Stefan Hautzinger, Präsident der Landwirtschaftskammer Burgenland und Vertreter der Landwirtschaftskammern Österreichs, hob hervor, wie gut die Weinbauernschaft aufgestellt sei. Die Weinwirtschaft könne eine gute Bilanz vorlegen. Er freue sich, dass es vielerorts einen aktiven und erfolgreichen Nachwuchs gebe: „Das ist das beste Zeichen für eine gute Zukunft.“ Stefan Pernkopf, Niederösterreichs Agrar-Landesrat, verwies auf die guten Ausbildungsmöglichkeiten im Weinbaubereich in Österreich, sie seien die Basis für den heutigen und morgigen Erfolg. Kritisch kommentierte er die Überbürokratisierung in vielen Bereichen der Weinwirtschaft. „Wir müssen aufpassen, nicht vom Land der Hämmer zum Land der Hemmnisse zu mutieren“, warnte Pernkopf eindringlich.

Die Festrede zum Jubiläum hielt Univ.-Prof. Gottfried, Vizedekan an der Donau-Universität in Krems. Der anerkannte Wirtschaftsexperte ging auf die 20-jährige EU-Zugehörigkeit Österreichs ein. Unter dem Motto „Von der Förderungspolitik zur Wettbewerbsfähigkeit“ beleuchtete Haber die Entwicklung beim Wein. Die Zeit des Protektionismus sei längst vorbei, gleichzeitig habe die Förderpolitik der EU ihre Grenzen, erläuterte Haber: „Sie kann nicht Strukturen konservieren und auch keine Trends aufhalten. Sie kann nur für Erleichterung sorgen“, so Haber, und das habe Österreichs Winzerschaft trefflich genutzt. Der Ökonom gab zu bedenken, dass Förderungen immer kritischer gesehen werden. Das Ausmaß werde daher zurückgehen, erwartet der Experte. Allerdings sei klar, dass Weingärten auch ein Kapital in puncto Tourismus darstellten und dadurch externe Effekte brächten, die auch in Zukunft einen Fördergrund darstellen könnten. Generell sei Wein mehr als ein Produkt, dahinter stecke viel Image. Der aktuelle Wettbewerb bringe einen Konzentrationsprozess mit sich. „Man muss sich darauf einstellen und nicht fragen, ob Wettbewerb gut oder schlecht ist!“, betonte Haber. Wettbewerb müsse als Chance gesehen werden. Und Qualität sei die beste Antwort darauf.

Kurz vor dem Weinskandal 1985 übernahm Josef Pleil die Funktion als Präsident des Österreichischen Weinbauverbands, über 23 Jahre prägte er die Weinbaupolitik. Ob Kellerbuch, Banderole, ÖWM, ÖPUL oder Hektarhöchstertragsgrenze: Pleil gestaltete die Rahmenbedingungen der heimischen Weinbaulandschaft im positiven Sinne. Dafür verlieh ihm sein Nachfolger Johannes Schmuckenschlager den Titel „Ehrenpräsident“. In seinen Dankesworten betonte Pleil, wie wichtig es heute sei, am Markt unaustauschbar zu sein. Zudem bedankte er sich bei seinen Funktionären und hob den Zusammenhalt als Basis des Erfolgs hervor.

Mit der Verkostung rund 30-jähriger Weine aus dem Weindenkmal in Klosterneuburg endete die Festveranstaltung in lockerer Atmosphäre. Als Weinkommentatoren fungierten Weinexperten und Weinjournalisten der führenden österreichischen Fachmagazine. Auch wenn sich nicht jede Flasche in bester Verfassung zeigte, gab es dennoch ein positives Fazit. „Österreich konnte zeigen, dass ein kleines Weinland zu den Großen in Sachen Qualität zählt“, fasste Walter Kutscher zusammen. Highlights waren etwa ein Gumpoldskirchner Sekt aus dem Jahr 1983, eine Strasser Auslese vom Müller-Thurgau (1983) und eine faszinierende Ruländer-Trockenbeerenauslese aus Eisenstadt, 42 Jahre alt!

Text: Apa/ Kathrin Bürger
Bild: Gerhard Steinhofer/ Österreichischer Weinbauverband

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