Zöhrers Weinsymposium. Kremstal goes Orange.

Weinsymposium November 2015Frei nach dem Motto „man lernt nie aus“, lud Toni Zöhrer am 18. November 2015 befreundete Weinbauern, Fachpresse und WeingenießerInnen zur Verkostung inklusive Erfahrungsaustausch. Neben Toni Zöhrer, präsentierten Niki Moser, Erich Machherndl, Mathias Altmann und Andreas Gsellmann, Extravagantes und Erstaunliches, weit abseits vom Mainstram des Weinbaus. Mit einem Riesling von Günther Steinmetz und zwei Weinen von Il Colle wurde uns quasi auch eine kleine Weinreise ins Ausland gegönnt.

Natural Wine scheidet die Geister
Wenn es auch eine kleine Nische des Weinbaus ist, Orange- und Natural Wines scheiden die Geister. Nicht nur bei den Konsumenten, auch bei den Winzern gehen die Meinung oft weit auseinander und die Wogen der Gemüter hoch. Was soll, beziehungsweise darf, die Bezeichnung Orange oder Natural tragen? In einem Punkt sind sich alle einig, es dürfen keine fragwürdigen Qualitäten, abseits von Reinheit und korrekt definierter Stilistik sein, sondern ausschließlich unverfälschte Weine mit Sortencharakter und Terroir, die sich dadurch von uniformierten High Tech Weinen unterscheiden. Unbestreitbar ist auch, dass der Gesamtaufwand an Arbeitsstunden noch intensiver ausfällt, als bei der „normalen“ Weinproduktion, denn irgend welches Traubenmaterial einfach auf der Maische gären zu lassen und abzuwarten, was daraus wird, ergäbe genau diese fragwürdigen Qualitäten, die niemand wirklich braucht.

Was hier aus der Orange- und Natural Ecke kam, überzeugte sogar ungläubige Pessimisten, wie ich einer bin. Man lernt eben nie aus. Für mich persönlich beinahe ein anbetungswürdiger „Orange“, der Traminer Spiegel 2011 (Gsellmann), gefolgt von Grüner Veltliner 2014 (Zöhrer), Grauer Burgunder 2013 (Machherndl), Grüner Veltliner Minimal 2013 und 2008 (Moser). Aber auch der Jungspund unter den anwesenden Winzern, Mathias Altmann, konnte mich mit seinem Grüner Veltliner Tradition 2013 absolut überzeugen. Aber es muss nicht orange sein, um begeistern und manchmal auch verblüffen zu können. Toni Zöhrers Grüner Veltliner Urknall 2009 macht seinem Namen wahrlich alle Ehre! Sein Grüner Veltliner Impuls 2008 steht dem um nichts nach, er explodiert mit viel Charme und perfekter Gesamtstruktur. Zwei Spitzenweine mit gewohnter Farbgebung. Ebenso hinterließen der Pinot Noir Goldberg 2011, von Andreas Gsellmann und der Cabernet Sauvignon 1993, von Niki Moser, unvergesslich positive Eindrücke! Bei aller Euphorie für die edlen Tropfen, darf Charly Teuschls (Restaurant Late im Kloster-Und) Büffet nicht unerwähnt bleiben, denn diese Speisen erwiesen sich als würdige Weinbegleiter mit vorzüglichem Geschmack!

Gewonnene Erkenntnisse
Reife Weine (wohl gemerkt reif und nicht alt) gewinnen wieder an Bedeutung. Die Lagerung potentialreicher Weine liegt nicht nur in der Verantwortung der Winzer, auch der Handel, die Gastronomie und Endverbraucher sollten umdenken und aktuell Gekauftes nicht sofort austrinken. Natural- und Orange Wines sind Nischenprodukte und werden das auch immer bleiben, was nicht bedeuten darf, dass alles was nicht dem üblichen Standard entspricht, in diese Nische gedrängt werden darf. Weinfehler, egal welcher Art, machen das Produkt Wein wertlos, das gilt auch für Natural und Orange!

Bild und Text: Andy Bigler

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5